Blogideekasten #48 – Schwarz

Gerade überkam mich mal wieder die Lust zu schreiben. Also habe ich nach langer, langer Zeit mal wieder in den Blogideekasten geguckt. „Schwarz“ also. Hmmm…

Schwarz ist für mich tatsächlich in erster Linie die Farbe, die meinen Kleiderschrank dominiert. Zusammen mit Grün, Lila und Rot bzw. Jeansblau. Über die Farben meiner Socken werde ich mich jetzt nicht im Einzelnen auslassen. Schwarz finde ich gerade im Bereich „Kleidung“ sehr faszinierend, weil diese Farbe als neutral gilt und gleichzeitig auch oft als Abgrenzung wahrgenommen wird. Wobei’s ja eigentlich gar keine Farbe ist, oder wie war das? 😀 Schwarz sieht meistens edel aus, kann zu fast Allem und fast jedem Anlass getragen werden. Sprich: Ist verdammt praktisch. Und sieht in den meisten Fällen sogar ziemlich gut aus.

Und ja, ein wenig Abgrenzung ist es für mich vielleicht tatsächlich immer noch.
(Ich muss ins Stichwort-Bloggen erst wieder rein kommen, verzeiht und so.)

Von Menschen und Grenzen

Ich hab keine Ahnung, ob ich das, was mir zu diesem Thema seit Wochen im Kopf herumgeistert, jetzt geordnet „aufs Papier“ bekomme. Wenn nicht, seht es mir bitte nach. Wenn doch, freut euch, dass dieser Text hoffentlich leichter zu lesen sein wird.

Grenzen. Jeder Mensch hat sie. Persönlich, physisch, psychisch.. Sie sind immer existent, jedoch nicht unverrückbar. Niemals an jedem Tag gleich. Also muss man sie immer wieder neu ausloten, sich mit ihnen vertraut machen, mit ihnen arbeiten.

Ich weiß nicht, wie es ist, ohne körperliche Beeinträchtigungen zu leben. Dennoch lehne ich mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass gerade physische Grenzen für Menschen mit Behinderungen eine weitaus größere Rolle spielen und wesentlich präsenter sind, als es bei „Gesunden“ der Fall wäre.  Diese Grenzen zu erkennen, mit ihnen zu arbeiten, sie zu wahren, ist ein Lernprozess. Erst einmal stellt man irgendwann fest: Oh, da geht es jetzt nicht weiter! Und entweder findet man Lösungen, um die Grenze zu umgehen, zu überwinden oder das daraus resultierende Problem zu lösen… oder man lebt mit dieser Grenze und gesteht sie sich zu. Das ist etwas, das meiner Meinung nach gerade unsere heutige Leistungsgesellschaft lernen muss. Das hat nichts mit Aufgeben oder schwach sein zu tun. Sondern mit Selbstakzeptanz. Und gottverdammtem Realismus. Das geht nicht von heute auf morgen. In meinem Fall war das ein jahrelanger Prozess. Ich glaube, dieser wird auch nie ganz abgeschlossen sein.

Ich bin mittlerweile in der priveligierten (!) Situation, dass meine langjährigen Freunde diesen Prozess zu einem großen Teil begleitet haben, vielleicht sogar ein Stück weit mit involviert waren und hineingewachsen sind. Sie wissen genau, dass ich lange geplante Treffen manchmal absagen muss, auch wenn es mir noch so Leid tut. Dass ich mehr Pausen brauche, schneller erschöpft  bin, „spezielle“ Bedürfnisse habe. Diejenigen die nach dieser Erkenntnis (JA, war es tatsächlich!) neu hinzugekommen sind, wurden direkt über das „Wieso, weshalb, warum?“ aufgeklärt und machen ihre Sache bisher ziemlich großartig. <3

Dennoch stoße ich gerade im erweiterten Familien- und Bekanntenkreis häufig auf Unverständnis und leider auch Unverschämtheiten. Ja, richtig gelesen. Ich empfinde es mittlerweile als verdammt unverschämt, wenn Menschen mir erzählen, dass ich mich „doch nicht so anstellen“ soll, ich dies und das doch eigentlich echt mal hinkriegen müsste, sie „auch mal müde“ sind,  Andere mit einer Behinderung dies und jenes ja auch schaffen… Schön. Bringt mir nix. Und überhaupt habe ich mir das ja ausgesucht und es macht mir seit fast 24 Jahren einen unglaublichen Spaß, oft bei Unternehmungen nicht dabei sein zu können, Menschen relativ spontan versetzen zu müssen oder hektisch früher von Treffen mit Freunden oder Partys zu verschwinden, weil sie mich gerade tierisch auspowern oder ich die Energie dafür schlicht nicht mehr habe. Yep, ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen. Mit seltsamen „Mut-Mach-Versuchen“ (?), komischen Vergleichen und Unterstellungen könnte ich Bücher füllen.

Ich habe absolut nichts dagegen, dass jemand meine Grenzen hinterfragt. Aber bitte respektvoll, mit dem Bewusstsein, dass sie real sind. Sie lassen sich weder wegdiskutieren, noch bringt es etwas, sie zu ignorieren und zu hoffen, dass sie sich so in Luft auflösen.

Grenzen sind so individuell wie real. Sie können sich sehr schnell verändern. Liebe Menschen, bitte bedenkt das. Habt die Grenzen eures Gegenübers auf dem Radar, scheut euch nicht, sie zu erfragen und respektiert sie.

 

Zurück auf Los

Vor drei Wochen wurde mir gekündigt.  Erst war ich schockiert, dann wütend. Aktuell bin ich sehr erleichtert, habe aber auch ziemliche Angst vor der Zukunft, weil ich aktuell noch nicht weiß, wie eine realistische Perspektive für mich aussehen kann. In sieben Wochen stehe ich wieder ohne Job da. Eins ist sicher: Kein Vollzeitjob mehr. Die letzten vier Monate haben mich an den Rand meiner Kräfte gebracht, auf die Dauer geht das nicht.

Zur Arbeit gehen, zusammenreißen, zusammenreißen, einfach immer weiter machen, sich ein Loch wünschen, in dem man sich vor diesen ganzen anstrengenden, nicht auszublendenden Reizen verstecken kann, einfach atmen, immer weiter machen… Überleben. So fühlt es sich an. Und dabei noch irgendwie so gut es geht seine Aufgaben erledigen. Mit einem Körper, der mit „acht Stunden Sitzen“ massiv unzufrieden ist und das zu allem Überfluss auch noch sehr deutlich und sehr kreativ zeigt. Und jeden Tag unglaublich müde ist.

Feierabend. Im Schnelldurchlauf durch den Supermakt, wenn unbedingt nötig. Zähneknirschend zur Physiotherapie, die nunmal sein muss, weil sonst ganz schnell gar nichts mehr geht. Dann endlich nach Hause und ins Bett fallen. Oft so übersättigt von Außenreizen, dass ich mit niemandem mehr reden will. Einkuscheln, Schlafen, Serien gucken, wenn noch aufnahmefähig genug dazu. Oder telefonieren mit ausgewählten tollen Menschen. Meistens erstmal schlafen. Irgendwann wieder aufstehen, etwas essen, das Allernötigste im Haushalt tun, um dann frühestens um 22.30 – Theorie! –  komplett erledigt wieder ins Bett zu fallen. Wohl wissend, dass der Wecker um 5.30 schon wieder klingelt.

Aufstehen. Meistens auf den letzten Drücker. Unglaublich müde. Duschen, Anziehen, Kaffee, Frühstück, wenn noch Zeit ist. Aus dem Haus. Neun-Stunden-Tag. Reize filtern, durchhalten, sehr langweilige Aufgaben erledigen, auf die ich mich kaum konzentrieren kann, weil meine weitere Einarbeitung schon vor Wochen gestoppt wurde. Unter den Bedingungen, die aktuell am Arbeitsplatz gegeben sind, kann ich meine Fähigkeiten nicht einsetzen, weil fast alle Energie dafür drauf geht, irgendwie durchzuhalten. Irgendwann endlich nach Hause, ins Bett fallen…. Und immer so weiter.

Okay. Wenn ich langfristig mein eingenes Geld verdienen will, ohne mich damit kaputt zu machen, brauche ich einen Job, der maximal 25 bis 30 Stunden umfasst. Maximal ein Zweierbüro. Ohne Durchgangstüren oder Ähnliches. Ist das nicht gegeben, dürfte ich diesen Job gar nicht erst antreten. Und oh, finanzieren möchte ich mich damit ja auch noch. Wenn irgendwie möglich ohne Hilfe vom Staat. Mit ’nem Bürojob. Ha, ha. Außerdem möchte ich wenigstens in NRW bleiben…. Prima. Ergibt also noch eine ganze Latte mehr Kriterien für die Suche als vorher. Unter der Voraussetzung „Deutschlandweit, Voll- oder Teilzeit“ zu suchen, hat ja schließlich nur neun Monate gedauert… Außerdem ist selbst dann noch nicht zu 100% sicher, dass ich den Job wirklich packe, weshalb ich am Liebsten erstmal nicht umziehen möchte. Sonst fehlen mir irgendwann echt…  tja… Wurzeln, glaube ich. Und ich fühle mich hier in meiner kleinen Wohnung ansonsten sehr, sehr wohl.

Ach herrje. Das wird alles sehr, sehr spaßig.

 

Ideen und Denkanstöße

Ich möchte ganz, ganz, GANZ unbedingt meinen Job behalten. Und die Wohnung. Vor allen Dingen aber auch meinen momentanen Wohnort, da die hiesige Infrastruktur für Menschen ohne Auto ziemlich großartig ist. Also habe ich gestern und heute mit verschiedensten Menschen gesprochen, die in meine bisherige Arbeit irgendwie involviert waren oder es noch immer noch sind. Eine dieser Personen war meine ehemalige Praktikumsanleiterin, die mir damals tatsächlich beibrachte, meine Grenzen wahrzunehmen, sie zu wahren, aber auch mit ihnen zu arbeiten. Und mich immer wieder herausforderte, dabei aber auch zu jeder Zeit die Bremse zog, wenn es nötig war.  Beim Telefonat mit ihr kamen großartige Denkanstöße heraus, die ich nun meiner Vorgesetzten erklären und ausprobieren muss.

Ich werde sinngemäß zitieren.

 

„Schalte unnötige Reize aus! Versuch mal, eine Zeit lang mit Ohrstöpseln zu arbeiten und das dann ganz langsam immer weiter zu reduzieren…“

Das klingt im ersten Moment total schräg und nicht wirklich sozial kompatibel, aber ich werd’s ausprobieren müssen. Denn das ist es, was mir hauptsächlich den Akku leer lutscht, mir meine Konzentration raubt und mich fertig macht. Aktuell sitze ich in einem sehr unruhigen Durchgangsbüro. Rechts und links von mir telefonieren meine Kollegen – oft sogar gleichzeitig. Jeder, der in die beiden benachbarten Abteilungen will, muss durch mein Büro laufen, um zu seinem Ziel zu kommen. Oft lässt derjenige dabei die Tür auf, die in den Flur führt, also ballern mir die akustischen Reize von dort auch noch vors Hirn. Weil ich diese Reize nicht filtern kann, nehme ich das immer so war, als würde der Telefonierende direkt neben mir stehen. Ein ewiges Gerede, Gelaber und Geblubber. Acht Stunden lang. Mein Gehirn ist so damit beschäftigt, das alles wahrzunehmen und nach seiner Wichtigkeit zu sortieren, dass zum Teil die Kapazitäten für andere Dinge fehlen. Meine Kollegen geben sich noch immer sehr viel Mühe mit meiner Einarbeitung. Das finde ich wirklich toll. Allerdings nehme ich dabei nicht immer alle Erklärungen zu 100% wahr, weil mir durch den permanenten Geräuschpegel einfach die Kapazität fehlt, alles aufzunehmen und zu verarbeiten. Das führt dann wieder zu teilweise sehr seltsamen und unnötigen Fehlern meinerseits, die verständlicherweise für Unmut unter den Kollegen sorgen… :/

Also schreib alles mit, was man dir erklärt. Wirklich alles.

Muss ich tun. Allein schon als Absicherung für mich selbst.

Ich versuche mittlerweile – so „unauffällig“ wie es eben geht – Kommunikation zu vermeiden, weil es auch sehr anstrengend ist, andauernd Smalltalk zu betreiben. Oder ich versuche Probleme erstmal selbst zu lösen, obwohl ich auch einfach kurz nachfragen könnte. Natürlich ist das sehr ungünstig. Bis gestern sah ich allerdings keine andere Möglichkeit…
Wenn ich abends manchmal noch ein kleines Bisschen länger bleibe, um noch eine Aufgabe fertig zu stellen und alles still ist, atmet mein Gehirn auf und ich könnte tatsächlich noch ein paar Stunden weiter arbeiten. Gefühlt könnte ich dann Berge versetzen und Bäume ausreißen. Ungelogen.

Du wirst nie schnell arbeiten können. Allein schon von der Motorik her nicht. Das hätte denen aber im Vorstellungsgespräch und beim Probe arbeiten auffallen müssen.

Sehr beruhigend, dass das jemand, der mich sehr gut kennt, genau so sieht. Auch wenn’s natürlich keine „neue“ Erkenntnis ist…

Und das Wichtigste zum Schluss:

Es liegt NICHT an Dir! Wie ich dich kenne, reißt Du Dir den Arsch auf. Deine Behinderung setzt Dir Grenzen, die sie akzeptieren müssen, wenn sie dich beschäftigen wollen.

Danke.

 

Alternativlos?

Nächste Woche mache ich diesen Job zwei Monate lang. Das ist wirklich nicht viel, ich weiß. Aber ich habe das Gefühl, dass das so nicht mehr weiter geht. Mein Körper hängt auf der „Yay, Psychsosomatik ist die Lösung aller Probleme!“-Schiene. Mir wird regelmäßig und aus heiterem Himmel so schwindelig, dass ich Minuten lang nichts anderes mehr machen kann, als auf meinem Stuhl zu sitzen und mir immer wieder selbst zu versichern, dass sich die Welt um mich herum nicht dreht… DieseWoche hat’s mich drei Tage lang völlig ausgeknockt. Ist alles nichts Neues für mich. Ist aber auch ein typisches „Hilfe, Überforderung!“-Signal. Mit Sirenen und roten Blinklichtern. Ich gehe komplett auf dem Zahnfleisch. Und ich muss noch viel mehr auf mich aufpassen. So sehr, dass es mit einer „normalen“ 40-Stunden-Woche nicht mehr vereinbar scheint. Die Ausbildung war ebenfalls ein permanentens „Geht. Irgendwie.“ Ich wusste aber: Wenn ich das drei Jahre lang durchhalte, habe ich eine abgeschlossene Berufsausbildung… Also bin ich regelmäßig umgefallen, wieder aufgestanden und hab mich weitergeschleppt. (Drama, Drama!)

Wenn ich diesen Job noch zehn Monate so mache, wie er jetzt ist, bin ich ziemlich allumfassend am Arsch. Und habe im Endeffekt nichts weiter davon als die ach so sehr gewünschte Berufserfahrung, da man mir von vornherein klar machte, dass eine Entfristung meiner jetzigen Stelle nicht vorgesehen ist. Und überspitzt gesagt kann ich sie dann vermutlich erstmal nicht für weitere Bewerbungen nutzen, weil ich mich erstmal regenerieren muss.  Die Arbeitszeit zu reduzieren ist bei meinem Gehalt nicht möglich. Ich weiß, dass es eventuell Möglichkeiten zurFinanzierung meines Lebensunterhalts gäbe, befürchte aber, diesebezüglich schon wieder durch alle Raster zu fallen…

Natürlich hatte die Neuropsychologin in der Reha damals sowas von Recht. „Wenn Sie Vollzeit arbeiten, müssen Sie ununterbrochen mit voller Kraft kompensieren. Was Sie auch wieder zusätzlich Kraft kostet…“ Bloß einen Lösungsvorschlag hatte sie nicht. Tja nun. Also sitz ich jetzt hier. Mit Vollzeit-Job, aber roten Alarm-Blinklichtern im Kopf.

Bravo, Wusel!

Nächste Woche werde ich meiner Hausärztin  mal diesen ganzen Krempel schildern und schauen, was sie für eine Idee hat.

 

Unnötig, teuer und spaßbefreit!

Untermalt den Titel bitte gedanklich mit einem 1111elf!!!!

Eigentlich bin ich immer recht bemüht, den Veganismus nicht zu erwähnen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Er ist mittlerweile einfach so sehr Normalität geworden, dass das meiner Meinung nach echt nicht sein muss. Wenn meine Ernährung dann doch mal Thema wird(gemeinsame Essen auf der Arbeit/mit Freunden etc.) fühlen sich viele Menschen einfach mal vorsorglich von der Tatsache in die Ecke gedrängt, dass ich mit ihnen ja eine Diskussion über meine (und ihre Ernährungsweise) anfangen könnte. Liebe Leute. Nichts läge mir ferner. Aber irgendwie scheint das ja in diesen Situationen ein ganz seltsamer Reflex zu sein. Im Zuge dessen werden dann komische Vergleiche an den Haaren herbeigezogen und es wird eine „Verteildigung“ erwartet, die das Gegenüber dann seinerseits wieder völlig zerpflücken kann. Ach Leute, das ist doch wirklich anstrengend…

Ich finde das ja toll, aber es wäre mir viiiel zu teuer.

Kommt ganz darauf an, was und wo man einkauft. Natürlich ist Fleischersatz teurer und auch pflanzliche Milch ist teurer als ihr subventiertes, tierisches Pendant. Allerdings verbrauche ich pro Woche ca. einen Liter, da fällt das nun wirklich nicht ins Gewicht. 1l „meiner“ Sojamilch kostet ca. 1,75 €, das ist meiner Meinung nach echt erschwinglich. Andere pflanzliche Milchsorten wie Mandel- oder Haselnussmilch sind da schon erheblich teurer, aber die sind bei mir auch kein alltägliches Lebensmittel.
Insgesamt gebe ich im Monat 120  bis 160 € für Lebensmittel aus. B12-Nahrungsergänzung kostet mich pro Monat ca. 4   €. Ist also (in der Finanzplanung!) zu vernachlässigen.

Wird man davon überhaupt satt?

Aber ja! Allerdings habe ich festgestellt, dass sich, wenn ich „vernünftig“ esse, meine Portionen mehrklich vergrößert haben.

Und das schmeckt?!

Natürlich. Auch wenn man am Anfang vielleicht etwas rumprobieren muss, was gut zusammen passt. Meiner Meinung nach macht gerade das vegane Kochen unglaublich kreativ und erfinderisch.

Was bringt dir das eigentlich?

In erster Linie kann ich mit besserem Gewissen kochen, essen und genießen, weil ich versuche, durch meine Ernährungsweise den Tieren so wenig zu schaden, wie es nur irgendwie möglich ist. Außerdem esse ich viel, viel bewusster. Und mit viel mehr Spaß. Zumindest meistens. 🙂

Ist das nicht total anstrengend?

Gut, es erfordert schon ein paar mehr Überlegungen, also im Supermarkt einfach stumpf von Regal zu Regal zu laufen und alles Verfügbare einzusacken, aber das ist tatsächlich Gewöhnungssache.

Und die Proteine?!

Bohnen, Hülsenfrüchte, Vollkorn-Getreide… Alles sehr regelmäßig in meinem Speiseplan vertreten. 🙂

Das würd‘ mich ja nerven.

Nein, mich gar nicht. Es ist zwar manchmal ein wenig aufwändiger, man bekommt nicht überall sofort etwas zu Essen, muss auch mal Zutatenlisten studieren… Aber das spielt sich alles ein.

Ich würd‘ ja auch gerne mal…

Dann fang an. Aber nimm bitte Vitamin B12 zu dir. Und zwar inform von (ausreichend dosierten!) Tabletten! klick>>

Enge Grenzen

Ich habe jetzt einen Monat lang gearbeitet. Pro Woche 40 Stunden. Ein Hammer-Pensum. Jedenfalls für mich. Ich schaffe das auch. Irgendwie. Es ist zwar immer mehr „irgendwie“ als „schaffen“, aber ich kann ja nicht sagen, das hätte ich nicht schon vorher gewusst. Mein Gehalt liegt ein paar Cent über dem gesetzlichen Mindestlohn. Und schon wird in meinem Umfeld die Frage „Wieso tust du dir das eigentlich an?“ laut. Berechtigt? Ich bewege mich jeden Tag auf dem schmalen Grat zwischen „geht gerade noch so“ und „überfordert“. Ich muss mich selbst verdammt genau beobachten. Mein Körper sagt auf altbekannte Weise: „Pass auf!“ So viel Energie, wie ich verballere, kann ich mir gar nicht anfuttern. Würde ich mich wiegen, würde die Waage wahrscheinlich irgendwo im roten Bereich herumpendeln. Obwohl ich esse wie blöd.

Gleichzeitig muss ich im Job verdammt genau arbeiten. Aufpassen, dass nicht auffällt, wie wahnsinnig anstrengend ich die Interaktion mit meinen Kollegen finde. Denn alles, was man nicht sieht, ist Außenstehenden einfach sehr schwer verständlich zu machen. Dass das Wahrnehmen von Reizen und meiner Umgebung generell ein bewusster Prozess ist, der dementsprechend anstrengend ist.

Einmal schon musste ich sehr vehement sagen: Nein, das schaffe ich nicht. Ich würde gerne, aber das geht nicht.
Mein Arbeitgeber legt Wert auf ehrenamtliches Engagement und kooperiert deshalb mit zwei Organisationen in der näheren Umgebung. Finde ich ja super. Theoretisch. Jedoch wird von jedem Mitarbeiter erwartet, sich eine gewisse Stundenzahl eherenamtlich, also in der Freizeit, für einen dieser beiden Vereine zu engagieren. Arbeit mit Menschen. Nach Feierabend. Um Himmels Willen. Ich möchte dann oftmals noch nicht mal mehr telefonieren. Tja. Also musste ich meiner Vorgesetzten das Problem irgendwie begreiflich machen. Einem neurologisch völlig gesunden Menschen, der mit meinem Behinderungsbild noch nicht wirklich Berührungspunkte hatte, die größte, „unsichtbare“ Einschränkung erklären. Na bravo. Gestaltete sich ein wenig holprig. Dass sie es wirklich verstanden hat, zeigten ihre doch teilweise ziemlich irritierten Nachfragen. Na ja. Aber jedenfalls bin ich erstmal „aus dem Schneider“.

Ich habe schon überlegt, ob ich meine Arbeitszeit reduzieren könnte. Könnte ich. Bei meinem Gehalt könnte ich dann aber nicht mehr von meiner Arbeit leben. Ich sollte mich dringend schlau machen, ob es irgendwie die Möglichkeit gibt, die Arbeitszeit zu reduzieren und dann „aufzustocken“. Möchte ich zwar eigentich überhaupt nicht, aber das scheint die einzige Möglichkeit zu sein, wenn ich mich nicht kaputt arbeiten will. Und das werde ich auf keinen Fall tun.

Leider ist man mit meiner Arbeitsleistung anscheinend auch nicht zufrieden. „Sie erledigen im Moment nur einen Teil der Aufgaben, die Ihre Stelle umfasst. Und Sie brauchen dafür viel zu lange“, sagte man mir bereits in Woche 3. „Wenn Sie das Pensum nicht schaffen, müssen wir noch eine Stelle schaffen.“ Dann macht halt. Natürlich findet man sich sehr sozial, weil man Menschen mit Behinderungen einstellt. Aber wehe, diese können dann die erwarteten 200% Arbeitsleistung nicht erbringen… Ich arbeite genau so schnell, wie ich es kann, ohne mich komplett zu überfordern oder tausend Fehler einzubauen. Und das ist nun WIRKLICH nicht langsam. Ich baue auch mal ganz bewusste Pausen ein. Von ein oder zwei Minuten Dauer. Nicht viele. Nicht lang. Aber natürlich ist es sozial viel akzeptierter, alle zwei Stunden die obligatorische Raucherpause einzulegen… Vielleicht sollte ich damit anfangen. ._.

Morgen fange ich an meinem neuen Schreibtisch an. Mag mein Gewohnheitstier nicht. Zumal das neue Büro noch unruhiger wird als das jetzige… Man wird sehen. Ich beiß mich halt durch so gut ich kann.

Möglichst, ohne mit voller Wucht an meine Grenzen zu stoßen.

 

Angekommen.

Moonsorrow – Tulimyrski

Mittlerweile ist schon die zweite Arbeitswoche Geschichte.

Zeit, mal über die gestrige Frage der Chefin nachzudenken: „Und, haben Sie sich bei uns schon ein Bisschen eingelebt?“ Ich kann sagen: „Ja. Definitv.“ Der Job gefällt mir. Im Endeffekt bin ich acht Stunden pro Tag  für die Erfassung und Pflege der Kundenstammdaten und das Fakturieren von Musterbestellungen zuständig. Klingt jetzt erstmal nicht sonderlich spannend, ist aber sehr vielfältig. Und vor allen Dingen kommt bisher nicht sooo viel Stress auf, was natürlich super ist. Dennoch falle ich nach einem Arbeitstag (und manchmal einem daran anschließenden Einkauf) meist wie tot ins Bett. Das ist okay. Ich habe es nicht anders erwartet, da es in der Ausbildung genau so war. Dinge, die anderen Menschen leicht fallen – Reize wahrnehmen und vernünftig verarbeiten, darauf reagieren – laufen bei mir halt oft nicht „einfach so nebenbei“. Auf dieser Ebene zu funktionieren ist oftmals Schwerstarbeit. Dazu kommen dann noch die Konzentration bei der Arbeit, Spastiken, dämlicher Schmerzkrempel und mein generell hohes Schlafbedürfnis. Zack, Wusel tot. Menschen versuchen öfter mal, mich nach der Arbeit noch zu Unternehmungen zu überreden, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssen. Bisher habe ich es ja geschafft, sie nicht einfach zynisch lachend stehen zu lassen… Ich bin sehr stolz auf mich. Hust.

Mein Arbeitsplatz ist wirklich gut ausgestattet. Zwei große Monitore an einem höhenverstellbaren Schwenkarm, ein höhenverstellbarer Schreibtisch – ab und zu im Stehen arbeiten zu können, ist sehr gut! – und ein Trackball, damit der kleine Spasti nicht die viel zu kleine und leichte Standard-Funkmaus nicht halb durch die Gegend schmeißt und beim Rumschieben derselbigen nicht völlig verkampft. So lässt es sich arbeiten. Bloß meine Kolleginnen haben immer ein Problem, wenn sie mir etwas zeigen möchten, deshalb ist die zweite Maus auch noch angeschlossen.

Vor zwei Wochen haben meine Eltern und ich uns Wohnungen in der neuen Stadt angesehen. Wohnung Nr. 1 befand sich in einer Studenten-Wohnanlage. Erdgeschoss, sofort bezugsfertig, ein Zimmer, Küchenzeile mit im Wohnraum, 27 Quadratmeter. Kleiner Balkon. Sehr schön, aber ich zweifelte, ob sie nicht zu klein sein würde.

Wohnung Nr. 2 war etwa 35 Quadratmeter groß, Suterrain. Sehr hübsch. Allerdings erst ab 01.01.2016 zu beziehen und etwa 100 € teurer, das fällt bei meinem momentanen Gehalt leider heftig ins Gewicht.

Wohnung Nummer 3 lag mitten in der Stadt, in einer lauten, trubeligen Seitenstraße. Sie war komplett entkernt worden, da sie noch saniert werden sollte. Also nix mit „sofort rein“. Nackte Böden, nackte Wände, lediglich eine kahle Glühbirne unter der Decke. Nein. Nichts für mich.

Nach dieser Besichtigung landeten wir in einem netten kleinen Café, das wunderbarerweise sogar sehr leckeren, veganen Kuchen im Angebot hatte und ließen das Gesehene Revue passieren. Ziemlich schnell war klar: Die erste Wohnung wird es. Also griff ich zum Handy und sagte zu. Seit dem 21.11. habe ich die Schlüssel, vorletztes Wochenende bin ich in einer Hauruck-Aktion und mithilfe meiner Eltern und meines Opas mal eben um- und von zu Hause ausgezogen. Sehr cool. Dass das mal SO schnell geht, hätte ich mir ja auch nicht träumen lassen… Tags zuvor hatten wir bei Ikea noch Schränke gekauft – weiß-grüne Kinderzimmermöbel. 😀 Ein Sessel musste auch noch mit, da die Wohnung für mein Sofa einfach zu klein ist. Seit zwei Tagen besitze ich auch endlich eigenes WLAN. Mein Mobilfunkanbieter hat sich die vergangenen 2 Wochen über dauernde Datenvolumen-Nachbuchungen meinerseits gefreut. Die Installation war überraschend einfach. Kabel in die Wand, Box dran, eine halbe Stunde warten, noch einiges konfigurieren, fertig. \o/

Die Lage der Wohnung ist wunderbar. 1 km zur Arbeit, auf dem Weg dorthin zwei Supermärkte, eine Filliale meiner Bank, eine Apotheke, drei Friseure, zwei Bäcker… Klasse. Und alles fußläufig erreichbar. Wenn’s zur Fuß mal nicht geht, sind es zur Bushaltestelle 300 m. Nächste Woche werde ich mich um Ärzte und Physiotherapie kümmern. Dringend. Eine Physio-Praxis ist direkt auf der Kreuzung meiner Straße, ein Ärztehaus mit Vertretern gefühlt sämtlichen Fachrichtungen befindet sich etwa 300 m weiter. Cool.

Ich bin angekommen. Und momentan kann ich mich bis auf körperliche Problemchen echt nicht beklagen. 🙂

Endlich.

Ich glaube es kaum. Ich bin immer noch wie vor den Kopf geschlagen. Freitag Vormittag klingelte mein Handy. Ein Blick auf die Rufnummern-Anzeige ergab, dass es sich bei dem Anrufer um das Unternehmen handelte, bei welchem ich mich vor einer Woche vorgestellt hatte. Dort hatte man mich in einem einstündigen Vorstellungsgespräch gefühlt komplett „auseinander genommen“. Im Nachhinein gefiel es mir sehr. Es war ein sehr direktes Gespräch – damit kann ich gut umgehen… Nach dem Gespräch wurden mir die für den Job erforderlichen Tätigkeiten gleich mal gezeigt und ich versuchte, möglichst kompetent zu wirken. Wobei mir das sowieso nichts genützt hätte: Ich schaute meiner ehemaligen Mitauszubildenden über die Schulter.

Ist ja schön, dass sie wenigstens persönlich anrufen, um mir abzusagen, dachte ich. Aber dann: „Guten Tag, Frau …, wir würden uns freuen, wenn Sie bei uns anfangen.“ Ich war perplex. Ich glaube, das merkte mein Gesprächspartner auch. Stammel, stammel… Ups. Ich erbat mir noch etwas Bedenkzeit, sprach das Ganze noch mal mit meinen Eltern durch – nicht ohne begeistert-fassungslos zu quietschen und überfordert zu fuchteln – und sagte gut vier Stunden später telefonisch zu. Oha.

Wusel. hat. einen. Job.

Das heißt aber auch, dass Wusel täglich entweder über zwei Stunden pendeln muss – die aktuelle Bahn-Situation im Ruhrgebiet berücksichtigt – oder endgültig auszieht. Bei einem Acht-Stunden-Arbeitstag fiel diese Wahl nicht schwer. Also versuche ich seit heute, eine Wohnung zu finden. Einige Angebote, die mir zusagten, werde ich morgen mal abtelefonieren und mir dann möglichst bald einen neuen Lebensraum einrichten müssen. Der Plan ist, wenn möglich eine möblierte Ein-Zimmer-Wohnung zu mieten, allerdings mein Bett mitzunehmen. Ohne dieses Bett gehe ich nirgendwo hin. Das ist schließlich mein Wuselnest. „Nest“ ist hierbei wörtlich zu nehmen. Es beinhaltet eine wundertolle Matratze, meistens ein Wusel, Paul, aktuell zwei Decken, mindestens ein weiteres Kissen, Tablet und Telefon. Wenn’s ganz ekelhaft kalt ist, wohnt auch noch ein Wärme-Stofftier drin. Für Flausch ist also gesorgt. Flausch werde ich auch brauchen. Wahrscheinlich in Massen. Eine 40-Stunden-Woche verspricht hart zu werden. Aber auch das schaffe ich.  Ging ja in der Ausbildung auch. Und da hatte ich sogar noch Schulkrams zu tun. Dass ich am absoluten Limit sein werde, ist mir klar, aber dann muss ich halt einfach verstärkt auf mich aufpassen.

Im Moment schwanke ich zwischen Ich hab’s geschafft!!! Yeah! und  Hilfe, Aaangst!

Übernächste Woche geht es los. Drückt mir die Daumen. Ich werde berichten.

Warum ärgern?

Eines vorweg: Ich bin wach, orientiert und vollkommen nüchtern, Herr Doktor. Na ja. Bis auf Schokotee. Und Flausch. Aber da das sowieso Dinge sind, die ein Wusel dringend zum Überleben braucht – gerade letzteres – kann man das ja guten Gewissens ignorieren. So. Nun geht’s aber los.

Ich hab tatsächlich mal beschlossen, mich über meine momentane Situation nicht mehr allzu häufig zu ärgern. Was bringt mir das? Das kostet nur Energie und frustriert mich im Endeffekt viel mehr als es müsste. Wow. Was für ’ne Erkenntnis. *hüstel* Aber mal ehrlich: Es geht zwar im Moment nicht wirkllich vorwärts, aber dafür kann ich mir ganz gezielt und (fast) immer Zeit für mich nehmen. Etwas, was in der Ausbildung definitiv zu kurz kam. Das führt allerdings auch dazu, dass mein Körper sich ab und an wirklich sehr frech in den Vordergrund stellt und mich mal eben komplett ausbremst. Gestern fing es mit ein bisschen nervigen Spastiken an und steigerte sich dann zu so ekelhaften Gelenkschmerzen, dass ich kurzerhand das eigentlich geplante Klettern absagte und den Tag über ziemlich nörgelig war. Gegen Abend wurde das Ganze dann so gemein, dass ich vollkommen genervt eine 600er-Ibuprofen einwarf, um dann überhaupt irgendwie mal pennen zu können. Das erste Mal, dass ich wegen „sowas“ Schmerzmittel nehmen musste. Applaus. Hoffentlich wird das nicht zur Gewohnheit. Könnte ich wirklich drauf verzichten. Aber vielleicht musste auch das genau so sein.  Vielleicht war das ein Hey, hallo, ich hab auch Bedürfnisse. Nimm mich gefälligst ernst! Tja. Und weil ich ab heute versuche, das zumindest ein wenig bewusster zu tun, gehe ich mich jetzt auch wuselgerecht einrollen und an Paul kuscheln.

Gute Nacht! <3

Einen roten Faden gibt’s nicht. Und das ist auch überhaupt nicht schlimm.