Gedankenbuch.

Das flauschigste Blog in diesem Internetz.

Kategorie: Leben! (Seite 1 von 9)

Von Menschen und Grenzen

Ich hab keine Ahnung, ob ich das, was mir zu diesem Thema seit Wochen im Kopf herumgeistert, jetzt geordnet „aufs Papier“ bekomme. Wenn nicht, seht es mir bitte nach. Wenn doch, freut euch, dass dieser Text hoffentlich leichter zu lesen sein wird.

Grenzen. Jeder Mensch hat sie. Persönlich, physisch, psychisch.. Sie sind immer existent, jedoch nicht unverrückbar. Niemals an jedem Tag gleich. Also muss man sie immer wieder neu ausloten, sich mit ihnen vertraut machen, mit ihnen arbeiten.

Ich weiß nicht, wie es ist, ohne körperliche Beeinträchtigungen zu leben. Dennoch lehne ich mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass gerade physische Grenzen für Menschen mit Behinderungen eine weitaus größere Rolle spielen und wesentlich präsenter sind, als es bei „Gesunden“ der Fall wäre.  Diese Grenzen zu erkennen, mit ihnen zu arbeiten, sie zu wahren, ist ein Lernprozess. Erst einmal stellt man irgendwann fest: Oh, da geht es jetzt nicht weiter! Und entweder findet man Lösungen, um die Grenze zu umgehen, zu überwinden oder das daraus resultierende Problem zu lösen… oder man lebt mit dieser Grenze und gesteht sie sich zu. Das ist etwas, das meiner Meinung nach gerade unsere heutige Leistungsgesellschaft lernen muss. Das hat nichts mit Aufgeben oder schwach sein zu tun. Sondern mit Selbstakzeptanz. Und gottverdammtem Realismus. Das geht nicht von heute auf morgen. In meinem Fall war das ein jahrelanger Prozess. Ich glaube, dieser wird auch nie ganz abgeschlossen sein.

Ich bin mittlerweile in der priveligierten (!) Situation, dass meine langjährigen Freunde diesen Prozess zu einem großen Teil begleitet haben, vielleicht sogar ein Stück weit mit involviert waren und hineingewachsen sind. Sie wissen genau, dass ich lange geplante Treffen manchmal absagen muss, auch wenn es mir noch so Leid tut. Dass ich mehr Pausen brauche, schneller erschöpft  bin, „spezielle“ Bedürfnisse habe. Diejenigen die nach dieser Erkenntnis (JA, war es tatsächlich!) neu hinzugekommen sind, wurden direkt über das „Wieso, weshalb, warum?“ aufgeklärt und machen ihre Sache bisher ziemlich großartig. <3

Dennoch stoße ich gerade im erweiterten Familien- und Bekanntenkreis häufig auf Unverständnis und leider auch Unverschämtheiten. Ja, richtig gelesen. Ich empfinde es mittlerweile als verdammt unverschämt, wenn Menschen mir erzählen, dass ich mich „doch nicht so anstellen“ soll, ich dies und das doch eigentlich echt mal hinkriegen müsste, sie „auch mal müde“ sind,  Andere mit einer Behinderung dies und jenes ja auch schaffen… Schön. Bringt mir nix. Und überhaupt habe ich mir das ja ausgesucht und es macht mir seit fast 24 Jahren einen unglaublichen Spaß, oft bei Unternehmungen nicht dabei sein zu können, Menschen relativ spontan versetzen zu müssen oder hektisch früher von Treffen mit Freunden oder Partys zu verschwinden, weil sie mich gerade tierisch auspowern oder ich die Energie dafür schlicht nicht mehr habe. Yep, ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen. Mit seltsamen „Mut-Mach-Versuchen“ (?), komischen Vergleichen und Unterstellungen könnte ich Bücher füllen.

Ich habe absolut nichts dagegen, dass jemand meine Grenzen hinterfragt. Aber bitte respektvoll, mit dem Bewusstsein, dass sie real sind. Sie lassen sich weder wegdiskutieren, noch bringt es etwas, sie zu ignorieren und zu hoffen, dass sie sich so in Luft auflösen.

Grenzen sind so individuell wie real. Sie können sich sehr schnell verändern. Liebe Menschen, bitte bedenkt das. Habt die Grenzen eures Gegenübers auf dem Radar, scheut euch nicht, sie zu erfragen und respektiert sie.

 

Unnötig, teuer und spaßbefreit!

Untermalt den Titel bitte gedanklich mit einem 1111elf!!!!

Eigentlich bin ich immer recht bemüht, den Veganismus nicht zu erwähnen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Er ist mittlerweile einfach so sehr Normalität geworden, dass das meiner Meinung nach echt nicht sein muss. Wenn meine Ernährung dann doch mal Thema wird(gemeinsame Essen auf der Arbeit/mit Freunden etc.) fühlen sich viele Menschen einfach mal vorsorglich von der Tatsache in die Ecke gedrängt, dass ich mit ihnen ja eine Diskussion über meine (und ihre Ernährungsweise) anfangen könnte. Liebe Leute. Nichts läge mir ferner. Aber irgendwie scheint das ja in diesen Situationen ein ganz seltsamer Reflex zu sein. Im Zuge dessen werden dann komische Vergleiche an den Haaren herbeigezogen und es wird eine „Verteildigung“ erwartet, die das Gegenüber dann seinerseits wieder völlig zerpflücken kann. Ach Leute, das ist doch wirklich anstrengend…

Ich finde das ja toll, aber es wäre mir viiiel zu teuer.

Kommt ganz darauf an, was und wo man einkauft. Natürlich ist Fleischersatz teurer und auch pflanzliche Milch ist teurer als ihr subventiertes, tierisches Pendant. Allerdings verbrauche ich pro Woche ca. einen Liter, da fällt das nun wirklich nicht ins Gewicht. 1l „meiner“ Sojamilch kostet ca. 1,75 €, das ist meiner Meinung nach echt erschwinglich. Andere pflanzliche Milchsorten wie Mandel- oder Haselnussmilch sind da schon erheblich teurer, aber die sind bei mir auch kein alltägliches Lebensmittel.
Insgesamt gebe ich im Monat 120  bis 160 € für Lebensmittel aus. B12-Nahrungsergänzung kostet mich pro Monat ca. 4   €. Ist also (in der Finanzplanung!) zu vernachlässigen.

Wird man davon überhaupt satt?

Aber ja! Allerdings habe ich festgestellt, dass sich, wenn ich „vernünftig“ esse, meine Portionen mehrklich vergrößert haben.

Und das schmeckt?!

Natürlich. Auch wenn man am Anfang vielleicht etwas rumprobieren muss, was gut zusammen passt. Meiner Meinung nach macht gerade das vegane Kochen unglaublich kreativ und erfinderisch.

Was bringt dir das eigentlich?

In erster Linie kann ich mit besserem Gewissen kochen, essen und genießen, weil ich versuche, durch meine Ernährungsweise den Tieren so wenig zu schaden, wie es nur irgendwie möglich ist. Außerdem esse ich viel, viel bewusster. Und mit viel mehr Spaß. Zumindest meistens. 🙂

Ist das nicht total anstrengend?

Gut, es erfordert schon ein paar mehr Überlegungen, also im Supermarkt einfach stumpf von Regal zu Regal zu laufen und alles Verfügbare einzusacken, aber das ist tatsächlich Gewöhnungssache.

Und die Proteine?!

Bohnen, Hülsenfrüchte, Vollkorn-Getreide… Alles sehr regelmäßig in meinem Speiseplan vertreten. 🙂

Das würd‘ mich ja nerven.

Nein, mich gar nicht. Es ist zwar manchmal ein wenig aufwändiger, man bekommt nicht überall sofort etwas zu Essen, muss auch mal Zutatenlisten studieren… Aber das spielt sich alles ein.

Ich würd‘ ja auch gerne mal…

Dann fang an. Aber nimm bitte Vitamin B12 zu dir. Und zwar inform von (ausreichend dosierten!) Tabletten! klick>>

Angekommen.

Moonsorrow – Tulimyrski

Mittlerweile ist schon die zweite Arbeitswoche Geschichte.

Zeit, mal über die gestrige Frage der Chefin nachzudenken: „Und, haben Sie sich bei uns schon ein Bisschen eingelebt?“ Ich kann sagen: „Ja. Definitv.“ Der Job gefällt mir. Im Endeffekt bin ich acht Stunden pro Tag  für die Erfassung und Pflege der Kundenstammdaten und das Fakturieren von Musterbestellungen zuständig. Klingt jetzt erstmal nicht sonderlich spannend, ist aber sehr vielfältig. Und vor allen Dingen kommt bisher nicht sooo viel Stress auf, was natürlich super ist. Dennoch falle ich nach einem Arbeitstag (und manchmal einem daran anschließenden Einkauf) meist wie tot ins Bett. Das ist okay. Ich habe es nicht anders erwartet, da es in der Ausbildung genau so war. Dinge, die anderen Menschen leicht fallen – Reize wahrnehmen und vernünftig verarbeiten, darauf reagieren – laufen bei mir halt oft nicht „einfach so nebenbei“. Auf dieser Ebene zu funktionieren ist oftmals Schwerstarbeit. Dazu kommen dann noch die Konzentration bei der Arbeit, Spastiken, dämlicher Schmerzkrempel und mein generell hohes Schlafbedürfnis. Zack, Wusel tot. Menschen versuchen öfter mal, mich nach der Arbeit noch zu Unternehmungen zu überreden, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssen. Bisher habe ich es ja geschafft, sie nicht einfach zynisch lachend stehen zu lassen… Ich bin sehr stolz auf mich. Hust.

Mein Arbeitsplatz ist wirklich gut ausgestattet. Zwei große Monitore an einem höhenverstellbaren Schwenkarm, ein höhenverstellbarer Schreibtisch – ab und zu im Stehen arbeiten zu können, ist sehr gut! – und ein Trackball, damit der kleine Spasti nicht die viel zu kleine und leichte Standard-Funkmaus nicht halb durch die Gegend schmeißt und beim Rumschieben derselbigen nicht völlig verkampft. So lässt es sich arbeiten. Bloß meine Kolleginnen haben immer ein Problem, wenn sie mir etwas zeigen möchten, deshalb ist die zweite Maus auch noch angeschlossen.

Vor zwei Wochen haben meine Eltern und ich uns Wohnungen in der neuen Stadt angesehen. Wohnung Nr. 1 befand sich in einer Studenten-Wohnanlage. Erdgeschoss, sofort bezugsfertig, ein Zimmer, Küchenzeile mit im Wohnraum, 27 Quadratmeter. Kleiner Balkon. Sehr schön, aber ich zweifelte, ob sie nicht zu klein sein würde.

Wohnung Nr. 2 war etwa 35 Quadratmeter groß, Suterrain. Sehr hübsch. Allerdings erst ab 01.01.2016 zu beziehen und etwa 100 € teurer, das fällt bei meinem momentanen Gehalt leider heftig ins Gewicht.

Wohnung Nummer 3 lag mitten in der Stadt, in einer lauten, trubeligen Seitenstraße. Sie war komplett entkernt worden, da sie noch saniert werden sollte. Also nix mit „sofort rein“. Nackte Böden, nackte Wände, lediglich eine kahle Glühbirne unter der Decke. Nein. Nichts für mich.

Nach dieser Besichtigung landeten wir in einem netten kleinen Café, das wunderbarerweise sogar sehr leckeren, veganen Kuchen im Angebot hatte und ließen das Gesehene Revue passieren. Ziemlich schnell war klar: Die erste Wohnung wird es. Also griff ich zum Handy und sagte zu. Seit dem 21.11. habe ich die Schlüssel, vorletztes Wochenende bin ich in einer Hauruck-Aktion und mithilfe meiner Eltern und meines Opas mal eben um- und von zu Hause ausgezogen. Sehr cool. Dass das mal SO schnell geht, hätte ich mir ja auch nicht träumen lassen… Tags zuvor hatten wir bei Ikea noch Schränke gekauft – weiß-grüne Kinderzimmermöbel. 😀 Ein Sessel musste auch noch mit, da die Wohnung für mein Sofa einfach zu klein ist. Seit zwei Tagen besitze ich auch endlich eigenes WLAN. Mein Mobilfunkanbieter hat sich die vergangenen 2 Wochen über dauernde Datenvolumen-Nachbuchungen meinerseits gefreut. Die Installation war überraschend einfach. Kabel in die Wand, Box dran, eine halbe Stunde warten, noch einiges konfigurieren, fertig. \o/

Die Lage der Wohnung ist wunderbar. 1 km zur Arbeit, auf dem Weg dorthin zwei Supermärkte, eine Filliale meiner Bank, eine Apotheke, drei Friseure, zwei Bäcker… Klasse. Und alles fußläufig erreichbar. Wenn’s zur Fuß mal nicht geht, sind es zur Bushaltestelle 300 m. Nächste Woche werde ich mich um Ärzte und Physiotherapie kümmern. Dringend. Eine Physio-Praxis ist direkt auf der Kreuzung meiner Straße, ein Ärztehaus mit Vertretern gefühlt sämtlichen Fachrichtungen befindet sich etwa 300 m weiter. Cool.

Ich bin angekommen. Und momentan kann ich mich bis auf körperliche Problemchen echt nicht beklagen. 🙂

Puzzleteile

Solstafir – Fjara

Jeder hat sie, diese Puzzleteile, die das eigene Leben komplett werden lassen. Ich habe mich vorhin gefragt, welche das in meinem Leben sind.

Ich kam zu folgendem Ergebnis:

  • meine Herzmenschen
  • Worte. Lesen. Schreiben. Bücher. Texte.
  • Kommunikation, natürlich am Liebsten mit den Herzmenschen. On- und offline. Per Telefon, persönlich, über die gute alte „Schneckenpost“
  • Musik. Leider nur passiv genossen. Es sei denn, man zählt das Singen unter der Dusche dazu
  • Kochen und essen. Dabei probiere ich auch gern Neues aus.
  • Meine Hündin. Weil sie genau so versessen auf Flausch ist wie ich. Und weil sie ein dickköpfiges Sensibelchen ist.
  • Zeit für mich. Ganz bewusst. Oft auch alleine. Und das ist gut so.

Natürlich vermischt sich das alles auch ganz gern. Wie’s halt gerade eben passt.

Und was sind deine Puzzleteile?

 

Hamburg, Berlin und zurück

Puh. Die letzte Woche hatte es ganz schön in sich. Alles fing damit an, dass ein Freund mich vor ein paar Monaten fragte, ob ich nicht Lust hätte, eine Gruppe Jugendlicher als Betreuerin nach Berlin zu begleiten, wo sie an einer Sportveranstaltung teilnehmen würden. Ich überlegte relativ lange – warum eigentlich? – und sagte schließlich zu.

Und so fuhr ich am letzten Donnerstag in Begleitung eines großen roten Rucksacks nach Hamburg. Aufgrund des Bahnstreiks hatte ich zwei Tage zuvor die Zugbindung meines Sparpreises aufheben lassen. Somit war auch meine Platz-Reservierung futsch. Trotz diesbezüglicher Bedenken fand ich jedoch sehr schnell einen Sitzplatz, den mir zum Glück während der Fahrt auch niemand mehr streitig machte.

Zweieinhalb Stunden später kam ich in Hamburg an. Und versuchte verzweifelt, das Gewühl auf dem Bahnsteig zu überblicken, um eine Freundin ausfindig zu machen, mit der ich mich auf einen Kaffee verabredet hatte. Erschwerend kam hinzu, dass ich sie noch nicht persönlich kannte. Außerdem hatte ich lediglich ein Foto von 2009. Oh je. Circa fünf Minuten später hörte ich bloß ein fragendes „Sally?“ Und plötzlich war alles klar. Die folgenden Stunden vergingen bei Kaffee und einem Bagel ziemlich schnell. Wir erkundeten noch etwas die nähere Umgebung („Ich kenne das hier gar nicht, dabei wohne ich schon lange hier!“ :D) und trudelten schließlich am mit meinem Bekannten vereinbarten Treffpunkt ein. Die nächsten zwei Stunden verbrachten wir dann zu dritt noch damit, Burger zu essen und durch Drogeriemärkte zu toben. Da im Vorfeld schon geplant war, Pfingstmontag an die Ostsee zu fahren, fragten wir die gerade erst in meinem „Real Life“ aufgetauchte Freundin, ob sie nicht mitkommen wolle. Sie erbat sich noch etwas Bedenkzeit, sagte aber zu. (Spoiler, wie böse! 😉 )

Am nächsten Tag fuhren wir gegen Mittag zum Bahnhof, um uns mit den Teilnehmern der Sportveranstaltung zu treffen und gemeinsam in den Zug nach Berlin zu hüpfen. Ganz so einfach wie gedacht funktionierte das dann doch nicht. Erst hatte der gebuchte Zug 90 Minuten Verspätung, dann machte irgendjemand einen Fehler bei der „Einstiegsreihenfolge“, sodass die elektrischen Rollstühe zuerst in den engen ICE gehoben wurden und daher natürlich alles blockierten. Bis das dadurch entstandene Chaos beseitigt war, dauerte es wärhend der Fahrt noch mal mindestens eine halbe Stunde… Zwei Stunden später kamen wir in Berlin an, bezogen die Zimmer und fuhren in einer kleinen Gruppe noch mal zum Hauptbahnhof zurück, um noch eine Teilnehmerin einzusammeln und etwas zu essen. Gegen 23.30 plumpste ich dann endlich hundemüde ins Bett.

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir in der Sporthalle, ich machte die meiste Zeit Fotos. Schade, dass keine Spiegelreflex am Start war. Manche Bilder sind aber hoffentlich recht brauchbar geworden.

Am Sonntag checkten wir dann gegen 10 Uhr aus dem Hostel aus und beförderten unser Gepäck zur Sporthalle. Ich hatte aus irgendeinem Grund den „Abflug“ verpasst und kam mit der nächsten Straßenbahn nach. Zum Glück fand sich eine Passantin, die mir die noch benötigten 30 ct für eine Fahrkarte schenkte. Automaten, die nur Kleingeld schlucken, sind ja doch irgendwie dämlich… Letztendlich trudelte ich dann in der Sporthalle ein und verbrachte den letzten Turniertag wieder mit Zuschauen und Fotografieren. Gegen 16 Uhr stiegen wir dann alle wieder in Berlin in den Zug, wo wir, wie schon auf dem Hinweg, wieder einen Waggon für uns allein hatten. Während der Fahrt kamen dort dann noch Bahnmitarbeiter mit Snackwagen vorbei und da wir für die Verspätung auf dem Hinweg Gutscheine bekommen hatten, wurde quasi fast der komplette Wagen-Inhalt in unserem Waggon verteilt. Gegen 19 Uhr plumpsten wir dann müde und glücklich aus dem Zug und verabschiedeten uns von den Teilnehmern. Wir brachten das Gepäck nach Hause und ließen den Tag bei einem Croque ausklingen. Jetzt weiß ich endlich auch, was das ist… 🙂

Am Montag packten wir dann Kisten voller Neoprenanzüge, Handtücher, Grillgut, einen Grill und kannenweise heißen Tee ins Auto, sammelten noch ein paar Leute inklusive meiner Freundin ein und machten uns auf den Weg ans Meer. Ich war etwas aufgeregt, war es doch Jahre her, dass ich zuletzt im Meer war und der Neo war auch eine Premiere.

Am Strand anagekommen, halfen wir uns gegenseitig dabei, uns in die Anzüge zu quetschen. Himmel, sind die eng! Als das dann geschafft war, tankten wir noch etwas heißen Tee und machten uns auf den Weg zum Meer. Das Wasser war ca. 11°C kalt, soweit ich mich erinere. Brr. Gut, dass wir alle in den Anzügen steckten… Ich muss ehrlich gestehen, dass mir die Wellen echt nicht geheuer waren. Ich kann zwar schwimmen, es ist aber mindestens 10 Jahre her, dass ich zuletzt im Meer war…. Nach fünfzehn Minuten begann ich zu frösteln, krabbelte aus dem Wasser und ließ mich wieder aus dem Anzug schälen. Abgetrocknet, warm angezogen, Tee. Die Anderen zog es auch bald wieder an Land und wir begannen, den Grill, Fleisch, Tofu und Salate auszupacken. Als das Essen fertig war, wurde ganz schön gespachtelt… Schließlich machten wir noch einen kleinen Spaziergang, begegneten einem Hund, der Rollstühlen ziemlich skeptisch gegenüberstand und traten den Heimweg an. So tief und fest geschlafen wie nach diesem Tag habe ich lange nicht mehr…

Am Dienstag packte ich mein Zeug zusammen, feuerte es in ein Bahnhofs-Schließfach und suchte erstmal einen Optiker auf. Am Tag zuvor hatte ich mir nämlich meine Brille auf höchst beeindruckende Weise zerlegt. Das Gestell wurde gerade gebogen, die Gläser wieder eingesetzt und Fräulein Wusel hatte wieder den Durchblick. Zum Glück. Dann war auch schon die Zeit gekommen, sich zu verabschieden und ich zog weiter, um noch eine Freundin zu treffen, die ihrerseits in Hamburg auch eine Freundin besuchte… Wir machten ein Einkaufszentrum unsicher, stöberten in einer Buchhandlung herum und ich entdeckte die leckersten Gummibärchen.

Am späten Nachmittag brachte sie mich – natürlich in Begleitung des großen roten Rucksacks – noch zum Zug. Die Fahrt verlief ereignislos und gegen 20 Uhr war ich endlich wieder zu Hause.

Geschafft, aber glücklich.

Die Inklusion, die Schule und ich

Oh je, jetzt schreibt sie auch noch über dieses ausgelutschte Thema, werden jetzt einige von euch denken. Tja, ist halt so. Der Eintrag in #findinginclusion – über den ich mich nach wie vor wahnsinnig freue – hat mich angestupst. Daher werde ich euch jetzt von  meinen persönlichen Erfahrungen mit der Inklusion berichten.

Dazu drehe ich die Zeit vor, bis zum April/Mai 1998. Dem Tag meiner Schuleingangsuntersuchung. Bis zu diesem Tag war ich mir meiner Behinderung nicht unbedingt bewusst. Gut, ich konnte nicht Fahrrad fahren und nicht so schnell laufen wie die Anderen im Kindergarten, aber sonst?

Ich sollte auf der Grundschule nebenan eingeschult werden, integrativ. Als erstes Kind überhaupt. Das alles fand ich ganz spannend, für meine Eltern war es eher nervenaufreibend. Laut ihren Schilderungen konnte sich die damalige Rektorin absolut nichts unter einer Entwicklungsverzögerung vorstellen und fragte gar: „Frühchen? Was ist das für eine Krankheit? Gibt es dafür einen lateinischen Fachbegriff?“ So viel dazu… Letztendlich fiel das Ergebnis der Schuleingangsuntersuchung wohl ganz gut aus. Allerdings gab es da ja noch das Schulamt, bei dem meine Einschulung auf einer Regelschule beantragt (!) werden musste. Von „Inklusion als Standard“ noch keine Spur. Die Dame vom Schulamt schlug daraufhin die nächstgelegene Schule für Körperbehinderte vor. Meine Eltern beharrten jedoch darauf, dass ich ihrer Einschätzung nach für den Besuch einer Regelgrundschule geeignet sei. Außerdem hatte ich ja bei den Tests gut abgeschnitten und sollte mit meinen Freunden aus dem Kindergarten zusammenbleiben. Man eignete sich letztendlich darauf, dass ich dort eingeschult werden konnte. Ich bekam einen speziell angepassten Stuhl mit Sitzschale, weil es mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich war, lange und stabil frei zu sitzen. Uns wurde zugesichert, dass für meine Klasse lediglich Räume im Erdgeschoss der Schule genutzt würden. Man schraubte extra für mich ein Geländer an die Außenwand des Geäudes. Und bumms. Da hatten wir dann die Integration.

Irgendwann, im Verlauf des ersten Schuljahres, kam wohl eine Sonderpädagogin, um mich im Unterricht zu begutachten. Sie kam zu dem Schluss, dass keine zusätzliche Förderung oder eine Schulbegleitung, wie es damals hieß, notwendig sei. So lief es dann bis zur Mitte des vierten Schuljahres weiter. Vom Sportunterricht ließen mich meine Eltern ab der zweiten Klasse befreien, nachdem ich im ersten Schuljahr eine Vier auf dem Zeugnis nach Hause brachte und somit herauskam, dass die Lehrerin nicht wusste, wie sie mich in den Unterricht einbeziehen sollte… Nur beim Schulschwimmen war ich immer mit von der Partie. Am Anfang ohne Schwimmflügel, aber da ich mich absolut unsicher am Rand festklammerte, stimmte meine Klassenlehrerin schließlich zu, dass ich mit Schwimmflügeln teilnehmen dürfe. Sie befürchtete, meine Mitschüler hätten dann „keine Lust“, Schwimmen zu lernen. Ich lasse das mal so stehen… Von meiner Klasse fühlte ich mich weitgehend akzeptiert, auch wenn ich nur ein Mädchen, meine langjährige Banknachbarin, im Nachhinein als „Schulfreundin“ bezeichnen würde.

Die Pausen waren der Horror. Ein Schulhof voller rennender, kreischender, schreiender Kinder, die mich im Eifer des Gefechts auch gerne mal aus Versehen umrannten. Wie oft ich in dieser Zeit mitten auf dem Schulhof umfiel und  mit voller Wucht auf den Hinterkopf knallte, kann ich gar nicht zählen. Vermutlich fühle ich mich deshalb heute noch in Menschenaufläufen echt unwohl. Und vielleicht bin ich deshalb ab und an mal bekloppt… 😉 Wenn es irgendwie möglich war, haben ich und mein Buch uns in dieser Zeit ein ruhiges Eckchen gesucht. In den ersten zwei Schuljahren war selbst der leere Schulhof sehr schwierig für mich zu überqueren. Doch das musste ich, wenn ich zur Toilette wollte. Dabei fiel ich auch gerne mal hin, „einfach so“. Man stelle sich das Ganze in Verbindung mit meiner spastischen Blase vor… Daraus folgte dann, dass ich während des Schultages nichts trank, um nicht auf die Toilette zu müssen. Mit dem Unterricht selbst hatte ich – bis auf Sport – keine Probleme, er hat mir immer viel Spaß gemacht. Im Nachhinein betrachtet hätte eine Schulbegleitung mir wahrscheinlich wirklich gut getan. Allein schon während der Pausen.

Im vierten Schuljahr wechselte ich zur Waldorfschule. Meine Eltern fanden, die Pädagogik, die dort praktiziert wurde, sei bestimmt gut für mich. War sie auch. Ich fand den Unterricht toll, der ganz anders strukturiert war, als ich es von der Grundschule kannte. Nur das Drumherum war alles Andere als ideal, an der Zeit dort hatte und habe ich manchmal immer noch zu knabbern, also spare ich dieses Kapitel aus.

Im sechsten Schuljahr wechselte ich endlich zur vorhin schon erwähnten Schule für Körperbehinderte. Endlich konnte ich sein, wie ich war. Wurde mit all meinen Schwächen einfach akzeptiert und musste nicht mehr krampfhaft versuchen, zu verheimlichen, dass ich eine Behinderung hatte. In der Grundschule habe ich das tatsächlich versucht. Ich muss nicht extra erwähnen, dass es nicht geklappt hat, oder? Na ja, jedenfalls konnte ich endlich lernen, zu mir, meinen Schwächen, meinen Einschränkungen zu stehen. Ich blühte auf ganzer Linie auf und lernte viele für mich wertvolle Menschen kennen. Zwar arbeitete diese Schule mit einer Mischung aus Lernbehinderten- und Hauptschul-Lehrplan, was dazu führte, dass ich vor Unterforderung teilweise die Wände hochging, aber ich liebte sie.  Weil sie mir den Schutzraum bot, den ich so dringend gebraucht hatte. Ich denke unglaublich gerne an diese Zeit zurück. Die Klassenfahrten, der Hauswirtschafts-Unterricht, der sonstige, tolle, ebenfalls sehr praxisnahe Unterricht, Lehrer, die manchmal mit beiden Händen verzweifelt fuchtelten und sich eine neue Methode überlegten, uns ihren Stoff doch noch etwas näher zu bringen… Generell war die Atmosphäre dort sehr herzlich, entspannt und familiär. Oftmals fühlte man sich aber auch etwas „in Watte gepackt“. Man könnte sagen, ich bin aus dieser Schulform herausgewachsen. Es ist dennoch immer noch sehr schön, zu Schulfesten und ähnlichem wieder dorthin „nach Hause“ zu kommen. Allerdings ist die Zeit irgendwie stehen geblieben und man fühlt sich wie unter einer Glasglocke, deshalb ist es gut, dass es nur Besuche auf Zeit sind. Es war allerdings unglaublich grandios, im Oktober zufällig meine damalige Klassenlehrerin wiederzutreffen. Eine tolle Frau!

Apropos Inklusion: In der achten Klasse besuchte uns ein SoWi-Kurs des benachbarten Gymnasiums. Wir fanden die Idee erst äußerst bizarr und überlegten tatsächlich, „Bitte nicht füttern!“-Schilder für die Klassentür zu basteln, weil wir befürchteten, in desinteressierte Gesichter blicken und mit Menschen reden zu müssen, die sich nur mit uns abgaben, weil sie mussten.  (Iih, Inklusionsverweigerer! :P) Wir lagen gründlich falsch. Es war eine tolle und offene Gesprächsrunde. Sowas bitte öfter, liebe Lehrer!

Danach kam  dann meine Zeit auf dem Förder-Berufskolleg, über die ich hier geschrieben habe. Rückblickend ebenfalls eine Zeit, die mir sehr viel gebracht hat.

Zwischendurch unternahm ich noch einen kleinen Ausflug in Richtung „Abi und gymnasiale Oberstufe“, ebenfalls auf einer Förderschule, über die ich hier ebenfalls beinahe erschöpfend geschrieben habe, blättert mal im Archiv und lest die Beiträge von  09 – 12/2011, wenn ihr mögt.

Jetzt habe ich nur über die Schule geschrieben, aber das war eben meine persönliche Inklusion. Und der Zähler steht bei 1.149 Wörtern, das sollte reichen!

Was habt ihr für Erfahrungen mit der Inklusion gemacht? Und auch sonst – schreibt mir bitte, was ihr dazu denkt. Ich würde mich sehr freuen!

Los Veganeros – oder auch: Häh?

Ich habe mich sehr gefreut, als ich sah, dass „Los Veganeros“ auch in meiner Stadt gezeigt werden würde. Ich wusste im Vorfeld nichts über den Film, wollte mich überraschen lassen. Einzige mir bekannte Info: Es geht darin um eine Gruppe von Veganern, die verschiedene Aktionen plant. Ich war gespannt darauf, wie dieses Thema filmisch umgesetzt werden würde, also fand ich mich zur heutigen Vormittagsvorstellung im Kino ein.

Es waren lediglich vier Reihen im gesamten Kinosaal besetzt, was mich bei einem solchen „Nischenfilm“ nicht weiter wunderte. Interessanterweise schien ich jedoch den Altersdurchschnitt der Anwesenden recht weit zu senken.

Achtung, Spoiler!

*

*

*

*

*

*

*

*

*

*

*

*

*

*

Nun mal ein wenig zur Handlung: Vicky lebt vegan. Damit eckt sie natürlich, wie zu erwarten, während eines Besuchs bei ihren Eltern ordentlich an und beschwört die schon nahezu standardisierten Diskussionen über „das gute Biofleisch“ herauf. (Klar, dass diese Szene nicht fehlen durfte…).

Während sie eines Morgens mit ihrer Mitbewohnerin frühstückt, fällt ihr in der Zeitung eine Annonce von Alma ins Auge. Alma ist 94, Umwelt-Aktivistin und sucht Tierschützer, die die Welt verändern wollen. Das weckt Vickys Interesse und so stößt sie zu einer Gruppe von ebendiesen, die sich regelmäßig in einem vegetarischen Restaurant trifft. Von Alma ist sie sofort fasziniert, die Ideen der Anderen betrachtet sie erst mit Skepsis. Nachdem sie einige kleine, nicht wirklich erfolgreiche Aktionen durchgeführt hat, beschließt die Gruppe, den Besitzer eines örtlichen Großmastbetriebs zu entführen, zu betäuben und für eine begrenzte Zeit  in einem Kastenstand einzupferchen, damit er spürt, wie es seinen Tieren geht. Danach soll er obendrein noch mit dem Viehtransporter zum Marktplatz gebracht und dort „ausgeladen“ werden. Erst läuft alles glatt, aber dann bringt sein Diabetes den Entführten in eine lebensgefährliche Situation. Alma ruft anonym den Krankenwagen und erleidet kurz darauf vor lauter Aufregung einen Herzinfarkt, an dem sie schließlich verstirbt. Die Aktion wird daraufhin abgebrochen.

Kurze Zeit später tauchen Kripo-Beamte in dem Kindergarten auf, den Vicky leitet und befragen sie und ihre Kollegin. Da Vicky dem Polizisten nicht glaubhaft versichern kann, nichts mit der Sache zu tun zu haben, wird sie für drei Monate in Haft genommen. Nach diesem Zeitraum wird sie schließlich aus der Haft entlassen.

Bumm. Ende des Films. Ach ja, ein gut aussehendes männliches Wesen, welches von Vicky mit tollem Essen quasi zum Vegetarismus „verführt wird“, durfte natürlich auch nicht fehlen…

*

*

*

*

*

*

 

Okay. Was will mir dieser Film sagen? Hängen geblieben ist tatsächlich nur: Veganer sind extreme, militante Spinner. Und das war gewiss nicht der Zweck des von seriösen Vegetarierportalen empfohlenen Films. Eigentlich sollte so ein Film doch eher das Interesse der „Normalbevölkerung“ an einer veganen oder vegetarischen Ernährung und Lebensweise wecken…. Stattdessen fand ich ihn eher abschreckend, weil die gezeigte Gruppe bereit war, für ihre Ideale viel zu weit zu gehen, menschenverachtend zu handeln, um Gerechtigkeit für Tiere zu erkämpfen. Meiner Meinung nach wäre es besser gewesen, wenn die Protagonisten Demonstrationen organisiert, Interviews gegeben oder Flugblätter verteilt hätten,  sich meinetwegen auch  ein wenig des zivilen Ungehorsams bedient hätten… Aber natürlich möchte der Zuschauer auch unterhalten werden. Aber muss es dann gleich so reißerisch und so negativ sein? Aus so einem Film geht doch niemand raus und denkt ernsthaft und langfristig  über seinen Konsum und seine Lebensweise nach…

Zusammengefasst: Häh, was war denn das?!

Gemampft #1

Ihr wolltet es nicht anders. Hier kommt nun meine Futterwoche in Bildern.

Samstag: Kichererbsen-Salat

wpid-20150404_173115.jpg

Sonntag: Focaccia mit Zwiebeln und Tomaten. Selbst gebacken. Mein allererstes Brot. Rezept: Björn Moschinski

wpid-20150405_171751.jpg

 

Montag: Übrige Brote.

Dienstag: Karotten-Kokos-Suppe, verbesserungswürdig

wpid-20150407_153448.jpg

 

Druckerschwärze vs. E-Ink

Es gibt eine Debatte, die meinen Bekanntenkreis im Moment fast noch mehr spaltet als die Sache mit dem Impfen: E-Books vs. „Papierbücher“. Finde ich komplett unsinnig. Meiner Meinung nach kann beides eine friedliche Coexistenz führen.

Bücher machen etwas her, wenn man sie ins Regal stellt, regelmäßig abstaubt und präsentieren will. Beides wollte ich noch nie und hatte auch schon seit jeher ein eher pragmatisches Verhältnis zu ihnen. Sie dürfen Eselsohren aufweisen und auch mal auf Stapeln irgendwo herumliegen. Für den größten Teil meiner Bekannten und Freunde dürfte jedoch vor Allem der Aspekt des Geruchs und der Haptik eines Buches zählen. Ich gebe zu, beides kann ein E-Book nicht bieten. Allerdings wiegt das dazugehörige Lesegerät (fast) nichts, manche Modelle werden sogar mit Beleuchtung angeboten. Das war für mich ideal, als ich noch regelmäßig drei Fahrtstunden lang gependelt bin. Vorbei sind die Zeiten, in denen meine Familie 3 Kisten voller Bücher in einen zweiwöchigen Urlaub mitgeschleppt hat, nun haben wir alle einen kleinen 6-Zoll-Reader in der Tasche, der auch mal gerne vier Wochen Dauerlesen mitmacht, bevor er wieder an die Steckdose muss.

Früher kaufte ich Bücher, um sie mit Sicherheit zwei oder drei Mal zu lesen. Musste sich ja lohnen. Und dann? Lagen sie in der Ecke; im besten Fall wurden sie verliehen. Ich ging auch oft in die Bücherei, um dann mit einem Rucksack voller dicker Schinken nach Hause zu keuchen und zu guter Letzt noch die Leihfristen zu überziehen. Na ja, kam ja der Bücherei wieder zugute und somit auch mir… Besonders lustig wurde die Sache, als ich ins rund 60 Kilometer entfernte Internat zog, plötzlich musste ich auch noch die Bücherei-Buch-Bestände mal zwei im Auge behalten…

Und heute? Heute habe ich meinen E-Book-Reader immer dabei, wenn es mal langweilig werden könnte. Ob auf Bus-, Auto- /Zugfahrten, bei Arztterminen… Am Meisten kommt er jedoch im Bett zum Einsatz. Da ich mir im Dezember ein neueres Gerät gegönnt habe, brauche ich dafür noch nicht mal eine Leselampe, das kann der Kleine mittlerweile schon selbst. Außerdem ist es ihm völlig egal, ob er in seinem Speicher eins oder 100 Bücher liegen hat, 150 Seiten schmale Bücher oder Über-1000-Seiten-Wälzer enthält. Er ist immer leicht genug für die Handtasche.

Bisher habe ich ein einziges E-Book gekauft. Es interessierte mich sehr und die Bücherei verlieh es nicht. Apropos Bücherei: Durch den E-Book-Reader habe ich die Möglichkeit, eine Online-Bücherei zu nutzen und dort E-Books auszuleihen. Diese sind dann so konzipiert, dass ich für zwei Wochen quasi die Lizenz dazu ausleihe, die E-Book-Datei öffnen zu können. Diese Leihfrist läuft automatisch ab und das Buch steht wieder anderen Büchereikunden zur Verfügung. Nie wieder Mahngebühren. Viiiel mehr Geld! (für andere unnötige Dinge).

Bücher kaufe ich nur noch, um sie zu verschenken. Meine alten Jugendbücher verschenke oder verkaufe ich für kleines Geld, die nehmen nur Platz weg und stauben zu. E-Books kann man leider nicht schön verschenken und sie duften auch nicht so schön neu, aber bei den ganzen anderen Vorteilen kann ich das verschmerzen.

Vielleicht wirkt dieser Pragmatismus auf manche von euch ein wenig herzlos, aber ich finde ihn ziemlich… praktisch. 😛

 

 

Denn es war nicht immer der Gärtner

Ich lese Bücher, seit ich anfing, lesen zu lernen. Also ungefähr 16 Jahre lang. Natürlich las ich erst Kinder-, dann später Jugendbücher. Wie man es so macht. Schließlich landete ich bei dem, was sich „Belletristik für Erwachsene“ nannte. Da meine Mutter einen großen Bücherschrank besitzt, musste natürlich dieser als erstes daran glauben, als sie mich für alt genug befand, auch ihre Bücher lesen zu dürfen – vorher auch heimlich.

Und so bekam ich Krimis und Thriller aller möglichen Genres; aus allen möglichen Ländern in die Hände. Ich las überall. An der Bushaltestelle, beim Arzt, im Auto, auf Radtour-Pausen, natürlich aber vor Allem im Bett.

Noch heute finde ich fast nichts entspannender, als mich mit einem guten Thriller – je verstörender desto besser – in dieses zu kuscheln und mich von der Geschichte gefangen zu nehmen.

Doch wieso ist das so? Was treibt mich an fast jedem Sonntag zur Primetime vor den Fernseher, um Das Erste einzuschalten und den „Tatort“ zu sehen? Mal abgesehen von den herrlichen Tweets, die dazu jede Woche durchs Netz geistern – ehrlich, abonniert mal um diese Zeit den Hashtag #tatort, es ist wirklich zu köstlich…

Wieso fühle ich mich nachts, sicher im warmen Bett eingemuckelt, am Wohlsten, wenn ich in allen Details lesen kann, wie gerade jemand ermordet, entführt oder eine Leiche obduziert wird? Und warum das geschieht? Wenn ich in die verstörenden Gedankenwelten von Mördern und Vergewaltigern eintauchen darf?

Nun, ich vermute, das hat damit zu tun, dass mir der Kitzel und die Spannung gefallen, die solche Bücher bei mir auslösen. Ein ganz wichtiger Punkt ist glaube ich auch, dass einem die Irrungen, Wirrungen und Probleme des eigenen Lebens plötzlich sehr klein und unbedeutend erscheinen, wenn man quasi in der Haut eines Kriminalkommissars steckt, der einen wahnsinnigen Massenmörder verhaften muss, damit dieser nicht noch mehr Menschen umbringt als sowieso schon. Und man selbst liegt oder sitzt da, auf der Couch oder im Bett und kann sich das ganze Geschehen aus sicherer Entfernung genau anschauen. Das ist auch irgendwie eine Art von „Voyeurismus“, oder? Nur, dass dies eine gesellschaftlich akzeptierte Form ist, die niemand anderen stört.

Am Liebsten lese ich ja skandinavische Thriller, da bin ich mit den aktuellen Bestsellerlisten gut bedient. x) Man könnte sich natürlich schon fragen, ob diese so besonders brutal sind, weil den Autoren „da oben“ im Winter das Tageslicht fehlt.. 😉

Fazit des Ganzen: Es war nicht immer der Gärtner. Sonst würd’s ja keinen Spaß machen.

Ältere Beiträge

© 2017 Gedankenbuch.

Theme von Anders NorénHoch ↑