Gedankenbuch.

Das flauschigste Blog in diesem Internetz.

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Endlich.

Ich glaube es kaum. Ich bin immer noch wie vor den Kopf geschlagen. Freitag Vormittag klingelte mein Handy. Ein Blick auf die Rufnummern-Anzeige ergab, dass es sich bei dem Anrufer um das Unternehmen handelte, bei welchem ich mich vor einer Woche vorgestellt hatte. Dort hatte man mich in einem einstündigen Vorstellungsgespräch gefühlt komplett „auseinander genommen“. Im Nachhinein gefiel es mir sehr. Es war ein sehr direktes Gespräch – damit kann ich gut umgehen… Nach dem Gespräch wurden mir die für den Job erforderlichen Tätigkeiten gleich mal gezeigt und ich versuchte, möglichst kompetent zu wirken. Wobei mir das sowieso nichts genützt hätte: Ich schaute meiner ehemaligen Mitauszubildenden über die Schulter.

Ist ja schön, dass sie wenigstens persönlich anrufen, um mir abzusagen, dachte ich. Aber dann: „Guten Tag, Frau …, wir würden uns freuen, wenn Sie bei uns anfangen.“ Ich war perplex. Ich glaube, das merkte mein Gesprächspartner auch. Stammel, stammel… Ups. Ich erbat mir noch etwas Bedenkzeit, sprach das Ganze noch mal mit meinen Eltern durch – nicht ohne begeistert-fassungslos zu quietschen und überfordert zu fuchteln – und sagte gut vier Stunden später telefonisch zu. Oha.

Wusel. hat. einen. Job.

Das heißt aber auch, dass Wusel täglich entweder über zwei Stunden pendeln muss – die aktuelle Bahn-Situation im Ruhrgebiet berücksichtigt – oder endgültig auszieht. Bei einem Acht-Stunden-Arbeitstag fiel diese Wahl nicht schwer. Also versuche ich seit heute, eine Wohnung zu finden. Einige Angebote, die mir zusagten, werde ich morgen mal abtelefonieren und mir dann möglichst bald einen neuen Lebensraum einrichten müssen. Der Plan ist, wenn möglich eine möblierte Ein-Zimmer-Wohnung zu mieten, allerdings mein Bett mitzunehmen. Ohne dieses Bett gehe ich nirgendwo hin. Das ist schließlich mein Wuselnest. „Nest“ ist hierbei wörtlich zu nehmen. Es beinhaltet eine wundertolle Matratze, meistens ein Wusel, Paul, aktuell zwei Decken, mindestens ein weiteres Kissen, Tablet und Telefon. Wenn’s ganz ekelhaft kalt ist, wohnt auch noch ein Wärme-Stofftier drin. Für Flausch ist also gesorgt. Flausch werde ich auch brauchen. Wahrscheinlich in Massen. Eine 40-Stunden-Woche verspricht hart zu werden. Aber auch das schaffe ich.  Ging ja in der Ausbildung auch. Und da hatte ich sogar noch Schulkrams zu tun. Dass ich am absoluten Limit sein werde, ist mir klar, aber dann muss ich halt einfach verstärkt auf mich aufpassen.

Im Moment schwanke ich zwischen Ich hab’s geschafft!!! Yeah! und  Hilfe, Aaangst!

Übernächste Woche geht es los. Drückt mir die Daumen. Ich werde berichten.

Warum ärgern?

Eines vorweg: Ich bin wach, orientiert und vollkommen nüchtern, Herr Doktor. Na ja. Bis auf Schokotee. Und Flausch. Aber da das sowieso Dinge sind, die ein Wusel dringend zum Überleben braucht – gerade letzteres – kann man das ja guten Gewissens ignorieren. So. Nun geht’s aber los.

Ich hab tatsächlich mal beschlossen, mich über meine momentane Situation nicht mehr allzu häufig zu ärgern. Was bringt mir das? Das kostet nur Energie und frustriert mich im Endeffekt viel mehr als es müsste. Wow. Was für ’ne Erkenntnis. *hüstel* Aber mal ehrlich: Es geht zwar im Moment nicht wirkllich vorwärts, aber dafür kann ich mir ganz gezielt und (fast) immer Zeit für mich nehmen. Etwas, was in der Ausbildung definitiv zu kurz kam. Das führt allerdings auch dazu, dass mein Körper sich ab und an wirklich sehr frech in den Vordergrund stellt und mich mal eben komplett ausbremst. Gestern fing es mit ein bisschen nervigen Spastiken an und steigerte sich dann zu so ekelhaften Gelenkschmerzen, dass ich kurzerhand das eigentlich geplante Klettern absagte und den Tag über ziemlich nörgelig war. Gegen Abend wurde das Ganze dann so gemein, dass ich vollkommen genervt eine 600er-Ibuprofen einwarf, um dann überhaupt irgendwie mal pennen zu können. Das erste Mal, dass ich wegen „sowas“ Schmerzmittel nehmen musste. Applaus. Hoffentlich wird das nicht zur Gewohnheit. Könnte ich wirklich drauf verzichten. Aber vielleicht musste auch das genau so sein.  Vielleicht war das ein Hey, hallo, ich hab auch Bedürfnisse. Nimm mich gefälligst ernst! Tja. Und weil ich ab heute versuche, das zumindest ein wenig bewusster zu tun, gehe ich mich jetzt auch wuselgerecht einrollen und an Paul kuscheln.

Gute Nacht! <3

Einen roten Faden gibt’s nicht. Und das ist auch überhaupt nicht schlimm.

Prima Praktika und ernüchternde Erfahrungen

Sie nervt. Sie reibt auf. Sie deprimiert. Sie frustriert wahnsinnig.

Wen ich meine? Natürlich die Jobsuche. Ich könnte hier jetzt wieder alles raus trompeten, was mich diesbezüglich ankotzt. Da habt aber weder ihr noch ich etwas von, ich würde mich nur wiederholen. Aber anstatt dass die ganze Sache mal etwas leichter und entspannter wird, verzweifle ich immer mehr…

Mittlerweile habe ich meinen Stolz hinunter geschluckt und einen Dienst kontaktiert, der Menschen mit Behinderung  bei der Arbeitssuche unterstützt und sie im besten Falle auch in Arbeitsverhältnisse vermittelt. Nachdem ich 45 Minuten auf den Beginn meines Termins gewartet hatte – es fand noch ein wichtiges Krisengespräch statt – stand ich schlussendlich nach zehn Minuten und einem entschuldigenden „Wir werden erst aktiv, wenn wir von der Agentur für Arbeit beauftragt werden. Machen Sie doch Praktika!“ wieder draußen vor der Tür. Cool. Das hatte mich jetzt ja wirklich enorm weitergebracht. Auf dem Rückweg versuchte ich,  meinen Frust in der Cremehaube eines sehr leckeren Cupcakes zu ertränken. Hat eher mäßig funktioniert.

Etwas Ähnliches passierte mir ca. vier Wochen zuvor bei einem Verein, der Maßnahmen anbietet, welche die Integration von Menschen mit Behinderungen auf den ersten Arbeitsmarkt „vereinfachen“ sollen. Toll. Schon wieder eine Maßnahme. Aber ich hörte mir das Ganze mal an. Mathe, Deutsch, Englisch, Praktika, Sport, Bewerbungstraining. Äh. Nee. Aber vermutlich wäre das noch das geringste Übel, falls der Agentur für Arbeit nach Auslaufen des ALG I irgendwann einfallen sollte, mich in Maßnahmen stecken zu wollen…

Am letzten Freitag bekam ich einen sehr vielversprechenden Anruf aus Hamburg. Man habe meine Bewerbung erhalten und sei sehr interessiert daran, mich einmal kennen zu lernen. Ob ich es einrichten könne, nächste Woche Mittwoch zum Vorstellungsgespräch zu erscheinen? Klar konnte ich. Koffer gepackt, Übernachtungsmöglichkeit bei einem Freund organisiert – fiel leider kurzfristig ins Wasser – und Sparpreis gebucht.

Am Dienstag setzte ich mich dann mit Sack und Pack in den Regionalexpress, um etwa eine halbe Stunde später in einen Intercity umzusteigen und zwei Stunden darauf im Hamburg aus dem Zug zu purzeln, wo ich schon von einer lieben Freundin erwartet wurde. Wir machten uns erstmal auf den Weg zum Hostel, wo der leider verhinderte Freund mir ein Zimmer gebucht hatte. Leichter gesagt als getan. Auf dem eigentlich einfachen Fußweg verliefen wir uns grandios und die sonst immer sehr hilfreiche Navigation mit dem Kartendienst eines großen Suchmaschinenanbieters verweigerte halbwegs den Dienst. Die noch vernünftig benutzbaren Funktionen verhalfen uns in Kombination mit der Ortskenntnis der Freundin dennoch zu einem Erfolg und so konnte ich schließlich mein Zeug im Zimmer abstellen und mich etwas frisch machen. Im Laufe des Abends landeten wir in einem Café und verbrachten noch etwas Zeit mit sehr guten und hilfreichen Gesprächen. Schließlich plumpste ich ziemlich k.o. in das viel zu weiche Bett und rollte die ganze Nacht darin herum, weil Schlaf irgendwie ausverkauft war. Sehr sinnvoll vor solch einem Termin.

Nach einem schnellen Frühstück am nächsten Morgen versuchte ich noch etwas Schlaf nachzuholen, was mir leider nicht wirklich gelang. Dafür wurde ich quasi Profi darin, meine gefühlt bis zum Boden reichenden Augenringe irgendwie zu kaschieren.

Als ich schließlich vernünftig aussah, bereitete ich mich noch ein wenig auf das Gespräch vor, schnappte mir mein Gepäck, checkte aus und lief zum Hauptbahnhof, wo ich den Koffer in einem Schließfach parkte.

Nach einer kurzen Fahrt mit U-Bahn und Bus fand ich mich vor einem roten Backstein-Gebäude mit großen Glasfenstern wieder. Ich ging hinein und meldete mich am Empfang. Nach einer kurzen Wartezeit wurde ich in das kleine, hell und freundlich wirkende Büro der Abteilungsleiterin gebeten. Das Gespräch lief zuerst wirklich gut. Plötzlich sagte sie jedoch, dass man schon jemanden mit Vorerfahrungen in diesem Arbeitsbereich suche. Ich war perplex. In der Stellenanzeige stand definitiv, dass Vorerfahrungen wünschenswert, aber nicht notwendig seien. Aus meinen Unterlagen ging nicht hervor, dass ich diese Erfahrungen hatte und trotzdem hatte man mich durch halb Deutschland fahren lassen… Ich versicherte, dass ich auf jeden Fall bereit sei, mir die fehlenden Kenntnisse schnell anzueignen. Zehn Minuten später fuhr ich – mittlerweile ziemlich sauer – zurück zum Hauptbahnhof, wo ich etwas aß, meinen Koffer wieder aus dem Schließfach befreite und in den ICE nach Hause stieg. Nach drei Stunden Fahrt kam ich wohlbehalten an und fiel ziemlich k.o. in mein Bett.

Eine Frage blieb bis heute: Was war DAS denn?

Nichts ändert sich

Seit dem Abschluss meiner Ausbildung sind sieben Monate vergangen. Bald habe ich die 100-Bewerbungen-Marke geknackt. Ich fahre kreuz und quer durch NRW, um mich bei Unternehmen vorzustellen, von denen ich im besten Fall einige Wochen später eine Absage bekomme.  Wie gesagt, im besten Fall. Viele rühren sich auch einfach gar nicht mehr.

Aber buhuhuuu, Fachkräftemangel! Ich habe die Ausbildung mit einer 2 abgeschlossen. Die Berufsschule mit 1,3. Auch praktisch hab ich was drauf, ich würde es bloß ganz schrecklich gern mal wieder anwenden können. Entschuldigen Sie bitte vielmals, liebe Unternehmen, dass ich mit fast 23 noch keine 10 Jahre Berufserfahrung vorweisen kann, ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte. Da ist bei mir wohl einiges schiefgelaufen.

Und überhaupt, wie kann ich es nur wagen, wegen eines Reha-Aufenthaltes mit sehr wichtigen Terminen an genau diesem Tag  um die Verschiebung eines Vorstellungsgespräches zu bitten? War ja erstmal kein Problem: „Es gibt noch eine zweite Runde Vorstellungsgespräche, wir laden Sie dann noch mal ein. Das ist überhaupt kein Problem.“ Pustekuchen. Vorgestern kam Post. Man bedaure es sehr, dass ich den Vorstellungstermin abgesagt hätte und könne meine Bewerbung leider nicht mehr berücksichtigen… Vielen Dank. Für nichts.

Ich bin einfach zunehmend genervter, frustrierter und verzweifelter. Bewerbungen schreibe ich. Allerdings im Moment nur aus einem Pfichtgefühl der Agentur für Arbeit gegenüber – die mir natürlich noch nicht im Geringsten weitergeholfen hat. Aber immerhin schreibe ich. Auch, wenn ich Blogeinträge mittlerweile wesentlich sinnvoller finde als die drölfzigste „Haben Sie die tatsächlich alleine geschrieben? Das ist ja toll!“-Bewerbung, die mir dann doch nichts nützt.

Ich mag zwar sehr verplant sein. Aber mein Gehirn hat immerhin so viel Anstand, mich in wirklich wichtigen Situationen nicht im Stich zu lassen. Nur leider nützt mir das herzlich wenig. Dem Wunschbild eines Mitarbeiters entspreche ich nunmal nicht:

Keine Berufserfahrung – woher denn auch, wenn mich niemand einstellt?

Kein Führerschein – besser für alle Beteiligten, inklusive mir selbst. Sämtliche Personalchefs tun jedoch immer beeindruckt, wenn sie hören, dass ich mit der Bahn da bin. Und für eine Stelle sofort umziehen würde.

Was bringt es mir? Genau, nichts.

Je länger ich mich damit herumschlagen muss, desto ekliger finde ich dieses System. Irgendwie scheine ich durch ein paar seltsame Raster zu fallen und kann noch nicht mal was dagegen tun. Ich werde immer genervter, weil sich nix tut. Ich werde gefühlt immer verballerter, weil mein Gehirn nicht mehr herausgefordert wird. Nun ist auch noch mein Ehrenamt weggefallen. Da etwas Neues zu finden (nix überwiegend Körperliches, bitte nicht ausschließlich Arbeit mit Menschen) ist schwierig bis unmöglich.

Manchmal möchte ich wirklich gern resignieren. Aber das bringt ja noch viel weniger als einfach weiter zu machen, sich zu freuen, zu hoffen und dann wieder schwarz zu ärgern und ein wenig zu verzweifeln. Und weiter zu machen….

Gute Nacht.

 

Blogideekasten #29: Vegan bis omnivor

Der Blogideekasten hat wieder gelost und dieses Mal ist ein Thema aus dem Topf gekullert, das mir besonders am Herzen liegt: „Vegetarisch, vegan, omnivor – omnomnom – und ihr so?“

Ich denke schon sehr lange darüber nach, wie ich möglichst so leben kann, dass ich möglichst wenig Schaden anrichte. Natürlich gelingt mir das noch lange nicht in allen Lebensbereichen.

Aber in einem für mich sehr wichtigen Punkt bekomme ich das mittlerweile recht gut hin: Der Ernährung. Seit mittlerweile über einem Jahr lebe ich vegan. Endlich.  Der Weg dorthin war weit. Mit 13 begann ich, vegetarisch zu leben. Mit Freude und aus Überzeugung – so dachte ich. Allerdings ist es in diesem Alter nicht gerade leicht, die entsprechenden Kommentare und „Argumente“ der alles essenden Mitmenschen entweder zu widerlegen oder einfach an sich abprallen zu lassen. Und so hatte sich diese „Phase“ mit 16 erstmal erledigt. Drei Jahre lang aß ich alles, was mir auf den Teller kam. War ja bequemer, sich nicht andauernd so „furchtbar“ einschränken zu müssen.

So richtig glücklich war ich damit aber nicht. Gedankenloser Konsum, das war nichts für mich. Ich spielte oft mit dem Gedanken, dem „Vegetarier-Dasein“ noch eine Chance zu geben, zog’s aber nie wirklich durch, weil ich dachte, dass es ja eh nicht klappt…

Februar 2012. Ich habe meine Ausbildung begonnen. Ein kleiner Wendepunkt. Probier ich’s halt noch mal vegetarisch, dachte ich. Es folgten 1,5 Jahre vegetarischer Kantinenfraß. Ließ  sich alles wesentlich besser herunterkriegen als die fleischigen oder fischigen Gerichte. Also hatte ich gleich zweifach gewonnen…

August 2013. Umzug in WG Nummer 1. Plötzlich musste ich für mich selbst kochen. Ich begann mit Nudeln und Tütensuppen. Bald schon habe ich aber experimentiert und Neues ausprobiert. Schon während dieser Zeit habe ich ganz unterbewusst extrem wenig Käse gegessen. Für’s Müsli und den Kaffee habe ich Sojamilch gekauft, bald fand ich auch eine, die mir richtig gut schmeckte. Diese kaufe ich heute noch. Ganz zufrieden war ich nicht, tröstete mich aber damit, dass ich zumindest schon mal einen Schritt in die richtige Richtung gehe…

Juni 2014. Ein mir sehr wichtiger Mensch wird Vegetarier. Für mich noch mal ein Anstoß. „Okay. Wenn du das durchziehen willst, probiere ich mal, vegan zu leben.“ Was soll ich sagen? Es ist über ein Jahr vergangen, wir sind beide dabei geblieben….

Ich vermisse nichts. Ich esse mit einem wesentlich besseren Gewissen. Ich koche und esse viel kreativer und gesünder. Es war für mich eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Wenn ihr auch mit diesem Gedanken spielt: Lest euch in die Materie ein, informiert euch umfassend… Traut euch! <3

(Und lasst euch bitte nicht von dämlichen Kommentaren abschrecken.)

Ihr könnt die Welt nicht retten. Aber ihr könnt sie ein kleines Bisschen besser machen. Und so vielleicht euer Umfeld inspirieren. 🙂

Wer den roten Faden findet, darf ihn behalten.

Reha-Fazit

Morgen sind fünf Wochen Reha vorbei. Irgendwie ist es fast schon beängstigend, wie schnell die Zeit verflogen ist. Ich werde diesen straffen Zeitplan auf jeden Fall vermissen, auch wenn er oft anstrengend war. Aus den Therapien habe ich viel mitgenommen. Sehr gut gefallen hat mir die Physiotherapie am Gerät. Im Endeffekt ist das „normales Gerätetraining“, welches physiotherapeutisch betreut wird. Ich glaube, ich fand es deshalb gut, weil es keine Gruppentherapie war, ich mit niemandem reden musste und einfach mein Ding machen konnte. Klingt komisch, ich weiß. Ich bin viele Menschen um mich herum einfach nicht mehr gewohnt und fand meine Mitpatienten zwischenzeitlich schon sehr anstrengend. Obwohl sie alle ganz putzig und nett waren und sich sichtlich freuten, dass mal jemand da war, der den Altersdurchschnitt (60+) etwas gesenkt hat.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich keine Therapie als „unnütz“ empfand. Einzig und allein die Entspannungs-Gruppe war vor allen Dingen in den letzten zwei Wochen etwas nervig. Zwei neu hinzugekommene Mitpatienten begannen innerhalb der ersten fünf Minuten, um die Wette zu schnarchen. Die Entspannung für uns andere war dahin. Auch „Weckversuche“ seitens der Therapeutin brachten nichts…

Die Wärmetherapie umfasste wahlweise zehn Minuten Infrarotlicht oder 20 Minuten Fango. Ich habe bis auf eine Ausnahme immer das Infrarotlicht gewählt. Gerade bei dem nasskalten Schmuddelwetter der letzten eineinhalb Wochen war das ziemlich grandios. Mein Ausflug in Richtung „Fango“ endete innerhalb von zwei Minuten. Wusel liegt auf dem Fango-„Kissen“ und verkrampft komplett, weil viel zu heiß. Auch mit zwei Handtüchern drüber. Nee, das ging gar nicht. Irgendwo hat mein Bedürfnis nach Wärme und Flausch dann doch seine Grenzen.

Recht warm waren auch meine Therapie-Einheiten im Bewegungsbad. Ich finde es nach wie vor sehr spannend, sich im Wasser völlig anders bewegen zu können. Es gab zwar Übungen, bei denen ich permanent nach hinten umgefallen bin, meist zur Belustigung aller auch noch wild mit den Armen rudernd, aber Wasser ist ja zumindest bei dieser „Fallhöhe“ recht weich. Wir hatten jede Menge Spaß. Allein schon die Tatsache, dass man mit einem Trupp älterer Herren und einem Strauß Poolnudeln im Wasser steht und plötzlich ein amüsiertes „Gnihihi, Nudel!“ aus der hintersten Becken-Ecke hört…

Ziemlich gemein, weil echt anstrengend, war die Koordinationsgruppe. Übungen, für die man gefühlt drölf Arme und drei mal so viele Beine gebraucht hätte. Oftmals auch noch mit einem Partner zusammen. Ich war zwar noch eine von den „Fitteren“, aber halleluja… Hier habe ich definitv ein paar Übungen „mit nach Hause genommen“.

Von ähnlichem Kaliber war auch die sogenannte „Handübungsgruppe“. Im Endeffekt ging es dort um Feinmotorik und Kraft. Eine Stunde lang. Meistens montags nachmittags, wenn eh schon die Luft raus war. Dass wir nicht alle schlafend auf den Tischen lagen, ist ein kleines Wunder und sagt einiges über den Anspruch der Übungen aus.

„Meine“ Physiotherapeutin in der Reha war menschlich sowie fachlich wirklich toll. Und wahnsinnig kreativ. Massage, Übungen fürs Gleichgewicht und die Koordination, Langziehen der Muskeln in alle (un-)möglichen Richtungen… Letzte Woche kam sie auf die Idee, mich in ein Gerät „einzuspannen“, dass sich durch meine Gewichtsverlagerung in alle Richtungen bewegte. Der Versuch wurde recht schnell wieder abgebrochen, weil ich dort zur Salzsäule erstarrt drin hing. Nee. Das war überhaupt nicht meins und mir absolut nicht geheuer. Aber gut, auch sowas muss man austesten. Ich hab’s in dem Ding drei Minuten ausgehalten, danach wollte ich GANZ dringend auf festen Boden zürück.

Auch die Neuropsychologin wollte mich regelmäßig sehen. In ihren Merkfähigkeits-Tests schnitt ich sehr gut ab, die Reaktionstests habe ich allerdings öfter mal versemmelt. Meine stark schwankende Leistungsfähigkeit irritierte sie, weshalb sie mich den selben Versuch bestimmt fünf Mal wiederholen ließ. Ihr ahnt es – immer mit einem anderen Ergebnis. Putzig  bis naiv waren ihre Anfeuerungsversuche. „Frau …, das MUSS besser werden.“ Ich saß da und dachte irgendwann nur noch: Schön. Und was machen wir damit jetzt? Na ja. Sie kam noch zu dem Schluss, dass ich ja nicht dazu geeignet sei, den Führerschein zu machen (Ach, guck an…) und dass ich in meinem Intereresse nicht unbedingt Vollzeit arbeiten sollte. Ist ja soweit ganz schön. Und bestimmt auch richtig und eine realistische Einschätzung, zumal sie nicht die Erste ist, die diese Bedenken äußert. Aber wie bitte lässt sich das flexibel (!), finanziell sicher und realistisch handhaben? Mit gut verdienendem Partner vielleicht. Ha, ha. Sorry. Sie hat ihr Bestes versucht, vermutlich ist meine Sichtweise darauf mal wieder viel zu zynisch und bestimmt auch ein wenig ungerecht.

Ein für mich recht spannender Teil des Therapieplans war die Ernährungsberatung. Meine erste Therapie-Einheit diesbezüglich fand in der Gruppe statt und begann klassisch mit dem Besprechen der Ernährungspyramide. In den oberen Segmenten natürlich Fisch, Fleisch, Eier, Milchprodukte. Ich schmunzelte vor mich hin, hütete mich aber, dazu etwas zu sagen. Dann hätte ich nämlich mit der gesamten Gruppe (Fraktion „Fleisch ist mein Gemüse“) meine Ernährung diskutieren „müssen“. Es gibt Dinge, die muss ich mir nicht antun. Nach der Stunde nahm ich die Kursleiterin allerdings zur Seite und fragte, was Sie von einer veganen Ernährung hielte. „Ich empfehle sie nicht, aber ich kann diese Ernährungsweise guten Gewisses tolerieren“ Bingo. Das war viel positiver als erhofft. In den beiden darauf folgenden Einzelterminen sahen wir uns meine Ernährung an (sie war zufrieden) und widmeten uns intensiv dem Thema „Zunehmen“. Gut, ich war damals in der Bewertung für Jugendliche schon aufs Härteste an der Grenze zum Untergewicht, weil ich durch meine spastische Muskulatur bei Bewegungen extrem viel Energie benötige. Seit damals hat sich das niemand mehr so recht angeschaut. Die Ernährungsberaterin empfahl mir hochkalorische Trinknahrung. Die habe ich jetzt drei Wochen lang getestet. Schmeckt wie extrem fettiger, milchiger Kakao. Igitt! Gerade der Milch-Geschmack. Wenn ich das Zeug als Medizin sehe, bekomme ich es runter, aber ansonsten… Ich habe in einer Woche 1,5 kg zugenommen. Das ist für mich tatsächlich verdammt viel. Ich bin gespannt. Momentan hängt meine Hoffnung ja eher an geschmacksneutralem, hochkalorischem Pulver, das man in Säfte, Joghurt etc. mischen kann. Werde ich testen und auf jeden Fall weiter berichten. Wenn ihr diesbezüglich irgendwelche Erfahrungen habt, nur her damit!

Darüber hinaus hatte ich noch Ausdauertraining, Ergotherapie und Kunsttherapie, aber das war jetzt nicht soo interessant, dass ich dringend drüber schreiben müsste..

Tja, das waren jetzt wirklich spannende und bereichernde fünf Wochen. Ich hätte mir während dieser Zeit öfter mal einen (freiwilligen) Hauselfen gewünscht, weil ich oft nur noch ins Bett gefallen bin, als ich zu Hause war. Heute habe ich offiziell meinen letzten Tag. Eine Woche Verlängerung hab ich schon bekommen, allerdings hatte ich an einem Tag ein Vorstellungsgespräch und war zwei Tage krank. Sehr sinnvoll. Mal schauen. Vielleicht bekomme ich noch ein paar Tage. 😉

Blogideekasten #93: Menschliche Inkompatibilität

>>Ich bin menschlich durchaus kompatibel. Nur nicht zu jedem. Möchte ich auch gar nicht sein.

Man sagt mir nach, ich hätte zu wenige Freunde. Nun, das ist meiner Meinung nach eine verdammt subjektive Angelegenheit. Ich war und bin halt nie der Typ, der einen riesigen Freundeskreis hat und immer von Menschen umgeben ist. Meistens tue ich mich eher schwer, auf Menschen zuzugehen. Daher weiß ich es sehr zu schätzen, wenn man mir in der „ersten Kennenlernphase“ ein Stückchen entgegenkommt, sofern man es denn will.

Da passt der Spruch „Ich habe keine Freunde. Ich habe eine ausgewählte Sammlung an Irren“ recht gut. Denn wer kommt, der bleibt in den allermeisten Fällen. Das sogar meistens sehr eng und intensiv. In so einer Freundschafts-Anfangs-Phase oftmals sogar etwas zu eng. Wenn mir jemand wirklich wichtig ist, neige ich gerade anfangs gern mal zum „Nerven und Klammern“, jedenfalls empfinde ich das oft so. Und wer dann noch bleibt… Tja, dem ist nicht mehr zu helfen.

Danke. <3

Das volle Programm

Seit eineihalb Wochen habe ich richtig was zu tun. Das finde ich absolut großartig und ich freue mich nach wie vor auf jeden einzelnen Tag.

Vor sechs Wochen habe ich bei der Deutschen Rentenversicherung eine ambulante, neurologische Reha beantragt. Aus dem Gedanken heraus, die Zeit, die ich im Moment habe, intensiver und sinnvoller für mich und meine Gesundheit zu nutzen. Und siehe da, drei Wochen später flatterte der Bewilligungsbescheid ins Haus. Ohne irgendwelche Streitereien, ohne „Nööö. Wir sind da nicht zuständig…“ Perfekt! Und so darf ich nun werktags gegen kurz vor zehn in der Nähe der Rehaeinrichtung aus dem Bus kullern, ein paar Meter wackeln, mir am Terminal meinen Therapieplan für den Tag ziehen, mein Zeug in einen Spind pfeffern und loslegen:  Physio am Gerät, Physio-Einzel, Ergotherapie (einzeln und in der Gruppe), Koordinationsgruppe, progressive Muskelentspannung,  Wärmetherapie, Ernährungsberatung (als einzige Veganerin unter fleischverliebten Rentnern sehr lustig…), Termine mit der Neuropsychologin, Termine beim Neurologen, neurologische Sprechstunde, Sozialberatung (Änderung der Merkzeichen auf meinem Schwerbehindertenausweis)…

Ich habe bestimmt noch was vergessen. Aber insgesamt macht alles Spaß und bisher war noch kein Termin dabei, den ich als unnütz empfand. Was will ich denn mehr? Ich bin zwar mit weitem Abstand die Jüngste dort, aber meine Mitpatienten sind eigentlich recht umgänglich. Mit veganem Futter ist die Küche dort zwar überfordert, aber ich nehme mir dann mein Futter halt selbst mit.

Ich glaube, ich werde echt traurig sein, wenn meine Zeit dort vorbei ist.

Ein Wusel an der Wand

Nein, ich hänge nicht eingefasst in einen Bilderrahmen an einer Raufasertapete. Wobei – halt. Tue ich doch. Allerdings beschränkt sich mein Vorkommen dort glücklicherweise auf die Wohnungen meiner Oma und meiner Großeltern.

An einer Wand hänge ich dennoch. Gut gesichert durch einen Knoten, den zu erlernen mich recht viel Zeit gekostet hat. Am Boden nochmals gesichert, durch eine Person, die hoffentlich weiß was sie tut. Seit letztem Samstag kann sogar ich diese Person sein. Natürlich klettert dann jemand anders….

Ihr könnt euch jetzt drüber amüsieren, das ist mir völlig wurscht, aber ich glaube, ich weiß jetzt, wie man sich fühlt, wenn man den Führerschein geschafft hat. Nur dass ich nie einen machen werde. Ich brauchte realtiv viele „Popotritte“, um am Ball zu bleiben und nach den bisherigen, gescheiterten Versuchen einen weiteren Kletter-Grundkurs zu belegen. Irgendwann habe ich ich dann aber noch mal getraut und bin dafür in eine andere Kletterhalle gegangen, wo man sogar extra für mich einen Samstags-Kurs aus dem Boden stampfte, weil alle anderen Termine in Verbindung mit dem doch recht weiten Anfahrtsweg für mich nicht wahrnehmbar gewesen wären. Die Gruppe war wirklich nett, der Kursleiter ist sofort super flexibel auf mich eingegangen, obwohl ich nie offiziell erwähnt habe, dass ich eine Behinderung habe. <3 Menschen, die sehr schnell von sich aus erkennen, was mir zuzumuten ist und was nicht, finde ich ja immer grandios. Ich habe gesagt, wo ich Probleme habe (bspw. das Gleichgewicht, daher sichere ich immer mit Zusatzgewicht), aber wollte nicht als „die Behinderte“, auf die alle super viel Rücksicht nehmen müssen, in den Kurs kommen. Dass das wunderbar geklappt hat, spricht aus meiner Sicht absolut für die Halle.

In einer Übung ging es darum, mal versuchsweise ein kurzes Stück ohne Einsatz der Hände zu klettern, um ein Gefühl für das eigene Gleichgewicht zu bekommen. Ich muss den Kursleiter angeguckt haben wie ein Kaninchen vor der Schlange. „Nein, du machst das natürlich nicht“, schmunzelte er daraufhin.

Im Kurs war zum Glück ein sehr liebes Mädel, das auch gewichtstechnisch zu mir passte und wir hatten jede Menge Spaß. Und haben unseren Job meiner Meinung nach wirklich gut gemacht.

Die gefühlt unzähligen Stunden, in denen ich in meinem Zimmer stand und ein altes Kletterseil durch mein Sicherungsgerät zog, um den Bewegungsablauf zu trainieren, haben sich absolut bezahlt gemacht. Ich hatte sogar ein extra für mich gedrehtes Video, damit ich mir das alles in Ruhe angucken konnte. Ein geschädigtes Gehirn braucht halt für das Erlernen neuer Abläufe manchmal seehr lange. Es gab im vergangenen Jahr genug Zeiten, in denen mich das ordentlich frustriert hat. Aber zum Glück auch genug Leute, die mich immer wieder in den Popo getreten haben, um mich daran zu erinnern, dass das ja das ist, was ich will. Außerhalb von Kursen klettern gehen. Und natürlich wissen, ob mein Kletterpartner alles richtig macht…

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab’s geschafft. Ich habe den Kletterschein und darf  jetzt so richtig loslegen. Letzten Sonntag habe ich meine neuen Kennntisse auch gleich mal in die Praxis umgesetzt. Es hat wunderbar funktioniert, auch wenn ich bei einem (beabsichtigten) Sturz „meines“ Kletterers ganz schön hochgeflogen bin. Aber ich war vorbereitet und habe mich – spasti-untypisch. 😛 – nicht erschreckt. Außerdem blieb ja das Zusatzgewicht (ca. 15 kg) am Boden stehen und gab mir Sicherheit.

Während des ganzen Kurses hatte ich nicht einmal Muskelkater und bin nach jedem Mal klettern total super gelaufen. Tut meinen Muskeln anscheinend wirklich gut. Auch wenn ich immer seeehr lange brauche, bis die mal warm werden. Gedanken, wie sich meine Probleme mit der Wahrnehmung und Konzentration beim Sichern managen lassen, hab ich mir natürlich auch gemacht. Und ich hab DEN Masterplan. Also kann ich damit auch verantwortungsvoll umgehen… 🙂

Kinder? Ich bin glücklich.

 

 

Gemampft #2

Das ist jetzt so ein Blogeintrag aus der Konserve. Ich weiß. Sorry dafür. Ich kann noch nicht mal sagen, welchen Zeitraum das jetzt genau betrifft, aber ich erfreue euch nun einfach mal in gebündelter Form mit meinem Futter der letzten Wochen. Natürlich ist alles vegan – wie immer.

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Apfel-Cupkake, Kartoffelsuppe und Latte Macchiato im "Krawummel" Münster

Schokomuffins nach diesem Rezept: http://www.chefkoch.de/rezepte/1675561275550416/Vegane-Schokomuffins.html
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Allerdings mit Alsan statt Öl und der 1,5 fachen Menge Backpulver.

„Leberwurst“ nach diesem Rezept: http://apfelvegetarier.blogspot.de/2012/02/vegane-leberwurst-selber-machen-die.html?m=1
Sehr lecker!
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Diverse Smoothies. Mit allem, was der Kühlschrank so zu bieten hatte:
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Hanfmilch aus ungeschälten Hanfsamen:

100 g Hanfsamen für 2 Stunden in Wasser einweichen. Wasser abgießen, die Samen mit einem Liter frischem Wasser in den Mixer geben. Süßen nach Belieben. Auf höchster Stufe gut durch mixen. Zum Schluss das Ganze durch ein Tuch abseihen und in eine geeignete Flasche füllen. Hält sich ca. 4 Tage im Kühlschrank.
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Arme Ritter. Rezept hier: http://cheekyvegan.de/portfolio-items/arme-ritter/
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Noch mal grünen Smoothies. Dieses Mal mit jungem Spinat als Basis.Nimage

Auch gerne mal einen Matcha Latte mit Sojamilch.
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Sommerliches Schokomüsli:
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Ich hoffe, ich konnte euch wenigstens etwas inspirieren!

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